Samstag, 6. Dezember 2014

Leseprobe »S & M Dreams Inc. 2: Sklavenhölle«



Hier eine Leseprobe aus meinem neuen SM-Thriller »S & M Dreams Inc. 2: Sklavenhölle«, der in diesen Tagen erscheint. Es handelt sich um das komplette Kapitel 11. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Marterpfahl-Verlags.

Weitere Informationen zu dem Roman finden Sie in diesem Blogeintrag.


Marterpfahl-Verlag, ISBN 978-3-944145-18-1, EUR 18,50



11.

Der Raum war für ein Untergeschoss außergewöhnlich hell, denn eine Glasfront führte zur Terrasse und damit zum See hinaus. Rechts stand ein vergleichsweise geräumiger Käfig, etwa einen Meter hoch, dessen Grundfläche von einer plastikbespannten Doppelbett-Matratze gebildet wurde. Bis auf eine Sommerdecke, zwei Kissen und einen Blecheimer war er leer.

Ebenfalls leer waren zwei kleine Strafkäfige links der Eingangstür. Ihre ganze »Bequemlichkeit« bestand aus einem mit mehreren Lagen Krankenunterlagen bedeckten Metallboden.

Barker schob einen Teil der linken Wand beiseite. Es öffnete sich ein Durchgang zu einem saalähnlichen Raum, der jedoch, von zwei Oberlichten abgesehen, fensterlos war.

Noch bevor Charlie den Raum auf allen vieren betrat, hörte sie ein Keuchen, in dem grenzenlose Erleichterung lag. Barker schaltete das Licht ein, und da war April: ein rotblonder Wuschelkopf, der als einzig sichtbarer Körperteil aus einer weniger als einen Kubikmeter fassenden Box aus dicken Fichtenbrettern ragte.

April wandte den Kopf und sah Barker und Charlie an. Ihr Gesicht war übersät mit Sommersprossen, zwischen denen Schweißtropen hinunterrannen – oder waren es Tränen der Erleichterung? Ihre dunklen Augen jedenfalls schimmerten im Licht der Neonbeleuchtung.

»Endlich!«, stieß sie mit ihrer hohen Stimme hervor, obwohl Barker keine Sprecherlaubnis erteilt hatte.

Gemessen an dem Grad der Erleichterung, die in diesem Ausruf lag, musste Charlies »Sklavinnen-Kollegin« mindestens seit dem Vorabend in der Box kauern.

Barker machte keine Anstalten, April zu befreien. Er musterte sie kurz, sagte »Bleib so!« und ging zu einem Regal, auf dem mehrere Fotoapparate und Videokameras abgelegt waren. Er wählte eine Nikon Spiegelreflex aus, schaltete zwei Decken- und einen Stativscheinwerfer ein und machte ein halbes Dutzend Aufnahmen von Aprils erschöpftem Gesicht.

Charlie lächelte. Barker war nicht nur FBI-Agent von Beruf und »Meister« aus Passion, sondern er war auch ein begabter Fotograf. Seine Bilder, die er unter dem Pseudonym Cardinal vertrieb, wurden gern von einschlägigen Magazinen und Websites angekauft. Neben dem unabdingbaren »fotografischen Auge« und einem geradezu unheimlichen Gespür für die Wirkung von Licht und Schatten gab es einen weiteren wichtigen Faktor, warum seine Aufnahmen so beliebt waren: Sie zeigten keinen »Hochglanz-SM«, wo die Frauen stets makellos geschminkt waren und aussahen, als kämen sie gerade aus dem Schönheitssalon. In den meist erschöpften, manchmal auch verweinten Gesichtern seiner Models – in der Hauptsache natürlich Charlie und April, mitunter jedoch auch andere – spiegelten sich gleichermaßen Leid und Hingabe. Der Betrachter eines Fotos vom Cardinal erfasste mit dem ersten Blick, dass hier nichts gestellt war, dass das Bild die Wirklichkeit zeigte, eingefangen im hundertfünfundzwanzigsten oder zweihundertfünfzigsten Teil einer Sekunde, mit einem lichtstarken Normal- oder Weitwinkelobjektiv.

Nachdem Barker die Kamera zurückgelegt und die Scheinwerfer ausgeschaltet hatte, befreite er April, indem er die Hälfte des oberen Deckbretts der Box aus seiner Arretierung löste und herauszog. Mit einem tiefen Seufzer versuchte April aufzustehen, fiel wieder zurück und kletterte schließlich mit Unterstützung Barkers aus der Box. Nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Schultern und Arme waren mit Sommersprossen überzogen, die ihre ansonsten fast weiße Haut beinahe ebenso rötlich aussehen ließen wie ihre Haare. Ihre Brüste waren fest, mit rosa Warzen, aber kleiner als der Durchschnitt. Möglicherweise, dachte Charlie, hing Aprils Vorliebe für Brustfolter mit einem diesbezüglichen Minderwertigkeitskomplex zusammen. Aprils Hände waren auf den Rücken gefesselt; Charlie kannte den Grund für diese Maßnahme, die natürlich strafverschärfend wirkte.

Barker löste die Handfesseln und führte April zurück in den angrenzenden Raum. Charlie folgte, immer noch auf Händen und Knien. Barker öffnete die Tür des großen Käfigs und April wollte hineinkriechen, doch er schüttelte den Kopf.

»Zuerst der Masturbationsverhüter.«

April zog eine Schnute, streckte jedoch fügsam die Arme aus. Ihr Herr legte ihr die ledernen Handfesseln abermals um und klinkte dann deren zehn Zentimeter kurze Verbindungskette in das Halsband ein; April trug ein identisches Modell wie Charlie. Erst nachdem alles sorgfältig abgeschlossen war, durfte das sommersprossige Mädchen in den Käfig kriechen. Auf einen Wink Barkers folgte Charlie, dann schloss er die Gittertür und sperrte sie ab.

»Wasser kommt gleich.«

Noch bevor Barker den Raum verlassen hatte, kauerte April sich über den Eimer und begann zu urinieren. »Du ahnst ja nicht, was ich durchgemacht habe!«, sagte sie dabei. »Seit gestern Abend in der Kiste, und auch noch gefesselt!«

Charlie biss sich auf die Lippen, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen. »Das ist ungefähr hundertmal bequemer, als sieben Tage und Nächte in einer mittelalterlichen Kerkerzelle eingesperrt zu sein, ohne Toilette, aber mit Eisenketten an Händen und Füßen und von einem halben Dutzend Kameras beobachtet.«

April starrte sie an. »He, das kling ja irre! Erzähl mal!«

Also erzählte Charlie ihrer gebannten Zuhörerin von ihren Tagen bei slavehell.com, von dem Zyklopen und den täglichen Shows. Besonders jene Szenen, in denen sie gequält und zwangsweise zum Orgasmus gebracht worden war, faszinierten April. Den »Peitschentanz« musste Charlie sogar dreimal mit immer neuen Details schildern. Nur von ihrem Gedächtnisverlust erwähnte sie nichts.

Barker kehrte zurück und schob einen großen Blechnapf mit Wasser durch eine dafür ausgesparte Öffnung in der Käfigtür. »Bis später«, sagte er nur und verschwand wieder.

April kauerte sich umständlich vor dem Napf nieder, umfasste ihn mit den gefesselten Händen und tauchte zunächst den Kopf in das Wasser, dann trank sie ihn beinahe leer. Da Charlie in New York ein ausgiebiges Frühstück genossen hatte, nahm sie ihr den Egoismus nicht weiter übel.

Als sie fertig war, robbte April zur Rückwand des Käfigs, wo Charlie sich ausgestreckt hatte, eines der beiden mit Plastik überzogenen Kissen unter dem Kopf. April kuschelte sich an sie, presste den Rücken gegen Charlies Brüste und den Po gegen ihren Unterleib.

»Mach’s mir! Bitte! Dafür lecke ich dich dann auch.«

Charlie lachte. »Das würde unserem Herrn aber nicht gefallen!«

»Er muss es ja nicht erfahren.« April wandte ihr den Kopf zu. Eine tiefe Furche war zwischen ihren Augenbrauen erschienen. »Du würdest mich natürlich sofort verpetzen, wenn er zurückkommt!«

Charlie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. »Das würdest du schon selber erledigen, spätestens wenn er dich am Abend nach deinen heutigen Verfehlungen fragt. Weißt du noch neulich? Du hast nicht nur deine eigenen Verfehlungen gebeichtet, sondern auch meine, wobei du mit der Wahrheit überaus großzügig umgegangen bist!«

April wandte sich wieder ab, so dass Charlie ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte. »Und was war das Ergebnis?«, fragte sie. »Er hat dir die Brüste gepeitscht, und ich musste zusehen! Ich konnte mich nicht mal berühren, gefesselt wie ich war.«

»Immerhin hat er dir die strengen Klammern angelegt.«

»Was sind schon ein paar Brustklammern, und nicht mal eine Viertelstunde? Du warst es, die er anschließend nach allen Regeln der Kunst durchgefickt hat! Du bist zweimal gekommen, und ich gar nicht!«

»Im Durchschnitt stimmt’s wieder.«

»Was soll das heißen?«

»Na, wir sind zu zweit, nicht wahr? Ich bin zweimal gekommen, du keinmal, das bedeutet: Im Durchschnitt ist jede einmal gekommen. Du kannst dich also nicht beklagen.«

April fuhr herum und starrte sie einen Moment lang verdutzt an, dann verzog sich ihre Miene zu einer Fratze der Wut. Sie zerrte an ihren Fesseln. »Warte nur, wenn ich erst mal die Hände frei habe ...«

Charlie lachte und duckte sich unter ihrem Angriff hinweg. April rollte sich auf sie, die Hände zu Fäusten geballt, doch die ungefesselte Charlie hielt sie mühelos auf Abstand.

Aprils jäh aufgeflammte Wut erlosch. Ihr Gesicht nahm einen bittenden Ausdruck an. Sie spreizte die Beine und rieb ihren haarlosen Unterleib an Charlies linkem Oberschenkel. Charlie spürte ihre Feuchtigkeit.

»Nu mach schon!«

Charlie drehte sich zur Seite, so dass April von ihr herunterglitt. Mit der rechten Hand begann sie, ihre Brust zu streicheln, doch April stieß sie weg.

»Das kann ich selber! Aber an meine Möse komme ich nicht ran! Und ich bin so nass!« Sie bewegte die Schenkel, als ob sie Rad fahren wollte.

»Nein.« Charlie zog ihre Hand wieder zurück. »Barker hat es verboten, und du hast zu gehorchen.«

»Barker, Barker!«, äffte April. »Er heißt nicht Barker, sondern Herr oder Meister! Ich werde ihm erzählen, dass du ihn Barker genannt hast!«

Charlie seufzte. April war gerade mal achtzehn, aber der geistige Unterschied zwischen ihnen betrug weit mehr als vier Jahre. April war wie ein verzogenes Kind, das alles sofort haben wollte, was es sich einbildete, und das beleidigt war, wenn es etwas nicht bekam. Sie war erst vier Monate hier, seit Anfang April, möglicherweise hatte Barker sie deshalb so genannt. Charlie wusste nur, dass ihr wirklicher Vorname Martina lautete und sie im Gegensatz zu ihr selbst aus einer Familie stammte, für die der Begriff »zerrüttet« ein Euphemismus war. Ihren Nachnamen kannte Charlie nicht.

Disziplin war beileibe nicht Aprils Stärke, und Charlie fragte sich oft, ob ihre Aufsässigkeit nur gespielt war, weil sie bestraft werden wollte, oder ob sie in der Tiefe ihres Herzens unzufrieden war mit sich und der Welt. Wahrscheinlich traf beides zu, je nach Situation und Laune. Mitunter war April zahm wie ein Kätzchen, dann wieder herrisch und aufbrausend. Einmal hatte sie in einem ihrer Wutanfälle sogar in Charlie Fressnapf uriniert.

»Alles muss man selber machen!«, stieß April hervor und richtete sich in sitzende Position auf. Mit einem Fuß schob sie die Decke beiseite, die zusammengeknüllt in einer Käfigecke lag. Charlie glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als zwischen der hellroten Decke und dem weißen Plastikbetttuch ein fleischfarbener Dildo von stattlicher Größe auftauchte.

»Wo hast du denn den her?«

April grinste. »Den konnte ich gestern auf die Seite bringen. Unser Herr hat nichts gemerkt. Wenn ich nur ...«

Mit verkniffener Miene kroch sie zu dem Kunstglied und packte es mit den Zähnen. Dann schob sie mit den Füßen die Decke zu einem dicken Knäuel zusammen und drückte den Dildo nach einigen Fehlversuchen so hinein, dass seine Spitze nach oben zeigte.

»Leider ist es keiner mit Batterie.«

Vorsichtig platzierte sie ihren Unterleib über den Dildo, doch als sie sich darauf niederließ, traf sie ihn im falschen Winkel und der Dildo fiel um.

»Scheiße!«

Beim zweiten Versuch glitt er in sie hinein. Mit demonstrativem Stöhnen und Augenrollen senkte sie ihren Leib, bis der Dildo sie vollständig ausfüllte. Dann ließ sie sich auf den Rücken fallen. Ihre gespreizte Beine zeigte auf Charlie.

»Bitte!«, drängte sie abermals.

»Nein.«

»Und du willst eine Masochistin sein?«, keifte April. »Eine Sadistin, das bist du!« Sie lachte und Charlie fiel ein.

April versuchte, den rechten Fuß so weit anzuwinkeln, dass sie mit der Ferse die Bodenplatte des Dildos erreichte, mit der dieser beispielsweise in einem Keuschheitsgürtel befestigt werden konnte. Charlie war nicht ganz klar, wie sie auf diese Weise den Dildo herausziehen und wieder hineinschieben wollte, und wahrscheinlich wusste April es selbst nicht. Die an das Halsband gefesselten Hände hinderten sie ja daran, diese zu Hilfe zu nehmen.

Jedenfalls scheiterte Aprils Vorhaben daran, dass sie nicht gelenkig genug war, um den Dildo mit dem Fuß zu erreichen. Einen Fluch ausstoßend, richtete sie ihren Oberkörper auf.

Lautes Räuspern ertönte.

»Ich hoffe, ich störe nicht?«

April erstarrte mitten in der Bewegung.

»Oh, oh!«, machte Charlie, nicht gänzlich frei von Schadenfreude.

Sofort hatte sich die Rotblonde wieder gefasst. Mit den gefesselten Händen deutete sie auf Charlie. Ihr Gesicht war eine Fratze der Wut. »Sie war es! Sie hat ihn gemopst und ihn mir gegen meinen Willen reingesteckt! Sie hat mich praktisch vergewaltigt.«

»Schauspielerin hättest du werden sollen.« Barker krümmte den Zeigefinger ein paarmal, und April robbte breitbeinig und mit gesenktem Kopf in seine Richtung. Er griff zwischen den Gitterstäben hindurch und zog das Kunstglied aus ihr heraus, begleitet von ihrem entsagungsvollen Seufzer.

Dann schloss er die Käfigtür auf und wandte sich Charlie zu. »Ich möchte, dass du dir etwas ansiehst.«

Charlie kroch hinaus, doch als April ihr folgen wollte, warf er die Tür wieder zu. »Du bleibst hier. Wir unterhalten uns später, und ich denke, es wird eine sehr lange und schmerzhafte Unterhaltung werden.«

April strahlte. »Oh ja – bitte!«

Barker schob den Dildo mit dem Fuß aus Aprils Reichweite, gab Charlie einen Wink und ging in Richtung Treppenaufgang. Sie folgte ihm kriechend.

Erst als er die Tür hinter ihnen geschlossen und Charlie sich aufgerichtet hatte, sagte er: »Ich habe mir die DVD angesehen. Dieser Unfall, den du hattest ... Ich denke, es war gar keiner.«

Sie sah ihn fragend an.

»Jemand hat versucht, dich umzubringen.«


 [Ende des 11. Kapitels, Ende der Leseprobe.]

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