Samstag, 30. November 2013

Leseprobe »Gefangen im Sex-Verlies«



Besser spät als nie: Unten finden Sie eine Leseprobe aus meinem im Dezember 2012 im Verlag Ubooks erschienen erotischen Roman „Gefangen im Sex-Verlies“. Es handelt sich um einen Auszug aus dem 23. Kapitel, entnommen dem lektorierten Manuskript. Ein paar Streichungen musste ich machen, um einem späteren Leser des ganzen Buches nicht zu viel zu verraten. Ich bitte um Verständnis.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Ubooks-Verlag / U-line UG.


Ubooks-Verlag, ISBN 978-3-939239-44-4, EUR 12,95

 23.

[Die Situation: Paloma, die Heldin des Romans, hat sich entschlossen, ihren Geliebten Lorenzo mit seinen unterbewussten Wünschen zu konfrontieren. Dazu benötigt sie die Hilfe von Conchita, die mit ihrem Mann Pablo in einer SM-Beziehung lebt.]

Eine Stunde Fahrt brachte Paloma nach Collbató, einer kleinen Ortschaft an der Südflanke des heiligen Berges Montserrat. Sie folgte Conchitas detaillierten Anweisungen, ohne die sie sich zwischen den Ausläufern des Gebirges rettungslos verirrt hätte, und entdeckte schließlich, am Ende einer Rumpelpiste, ein kleines Bauernhaus mit einem separaten Stallgebäude, hinter denen Sandsteinfelsen drohend emporragten. Ein dunkelblauer Hyundai Atos war zwischen den beiden Gebäuden geparkt - Conchitas Auto. Paloma ballte die Hände über dem Lenkrad zu Fäusten.

»Das ist es!«

Sie stellte den Seat daneben ab und stieg aus. Ein Windstoß wirbelte ihre Haare auf. Das Grundstück schien verlassen. Nur der Hyundai wies darauf hin, dass jemand da sein musste. Das an die Felswand gelehnte Bauernhaus war klein - wahrscheinlich bestand es aus einem einzigen Raum - und in einem beklagenswerten Zustand. Der gelblich-weiße Verputz war von pockenähnlichen Narben übersät, die glaslosen Fenster waren mit Sperrholzplatten verrammelt und ein Teil des Dachs war durch Wellblech ersetzt worden.

Das aus schwarzem Holz bestehende Stallgebäude war etwa doppelt so groß wie das Haus und, wie Conchita schon gesagt hatte, besser in Schuss. Die breite Eingangstür, die einen Spaltbreit offen stand, glänzte von frischer Farbe und auf dem Dach hoben sich hellrote Ziegel von einer Reihe dunkler und bemooster ab.

»Hallo?«, rief Paloma.

Ein gedämpfter Laut antwortete ihr. Er musste aus einer der Boxen kommen.

Paloma schob die Stalltür weiter auf, um besser sehen zu können, dann schritt sie die Reihe der Boxen ab. Sie waren bis in Brusthöhe ausgemauert, darüber ragten eiserne Gitter noch etwa zwei Meter empor, bis kurz unter das Dach.

Die ersten beiden Boxen waren leer, ihre Grundfläche mochte anderthalb Meter in der Breite und zweieinhalb in der Länge betragen. Mehrere in den Wänden verankerte Ketten, die in stählernen Ringen endeten, bekundeten, dass dieser Stall nicht für Pferde gedacht war, obwohl eine dicke Lage Stroh den Boden bedeckte. In der dritten Box lag ein Haufen Lederzeug auf einem Schemel und in der vierten …

»Conchita!«

Ihre Freundin stand an der Rückwand der Box, gehalten durch ein am Gitter hinter ihr befestigtes Halseisen. Sie lächelte sie an und versuchte, etwas zu sagen, doch aufgrund der Trense, die ihren Mund aufzwang, geriet dies nur zu einem unverständlichen Stammeln. Die Trense - ein Gebissstück aus schwarzem Gummi oder Leder - war Teil eines ledernen Kopfgeschirrs, das Conchitas Gesicht umrahmte. Von den Seiten der Trense liefen Kettchen hinab zu ihren bloßen Brüsten, wo sie in Klammern endeten, die an die Brustwarzen angeklemmt waren.

Als Conchita zur Begrüßung den Kopf hob - zu mehr Gestik war sie nicht in der Lage -, spannten sich die Kettchen und zogen so ihre Brüste ebenfalls nach oben. Paloma stellte sich vor, dass dies sehr schmerzhaft sein musste.

Conchitas Taille war in ein breites Ledergeschirr gezwängt, an dessen Seiten ihre Handgelenke in ebenfalls ledernen Fesseln steckten. Ihr Unterleib war nackt und die Beine leicht gespreizt, sodass Paloma ihre sauber rasierte Spalte sehen konnte. Ihre Fußgelenke wurden von in die Mauer eingelassenen eisernen Ringen gehalten.

Paloma rüttelte an der Gittertür der Box, und sie ließ sich problemlos öffnen. Klar, dachte sie, Conchita wird auch so nirgends hingehen … Sie trat ein. Das Stroh auf dem Boden erinnerte sie an das Verlies aus ihren Träumen. Fehlten nur noch der Henker und …

Dunkelheit schob sich über sie. Sie schrie auf und fuhr herum. Ein Schatten zeichnete sich gegen das Rechteck der Stalltür ab - der eines untersetzten Mannes mit breiten Schultern und einem eiförmigen Schädel.

»Guten Morgen«, sagte eine helle Stimme in freundlichem Tonfall. »Sie müssen Paloma sein.« Der Schatten trat heran und streckte die Hand aus. »Ich bin Pablo.«

Automatisch schlug Paloma ein. Obwohl ihr das Herz immer noch bis zum Hals klopfte, hatte sich ihr Schrecken in Verblüffung gewandelt. Das war Pablo, der »beste Mann der Welt«, wie Conchita ihn am ersten Tag ihrer Bekanntschaft genannt hatte? Das Licht fiel nun seitlich auf ihn und enthüllte den fast kahlen Kopf eines vielleicht vierzigjährigen Mannes mit buschigen Augenbrauen und Tränensäcken. Er war in einen mit Farbspritzern gesprenkelten Blaumann gekleidet und die obersten beiden Knöpfe seines weißen Hemdes standen offen.

Paloma wusste nicht wirklich, was sie nach Conchitas Worten erwartet hatte - jemanden wie Lorenzo wahrscheinlich, groß und attraktiv, dessen bloße Präsenz die berühmten »Schmetterlinge im Bauch« dazu brachte, mit den Flügeln zu schlagen.

Die Liebe geht oft seltsame Wege, dachte sie. Doch gleich darauf schalt sie sich für ihre Engstirnigkeit. Da Conchita so von ihm geschwärmt hatte, musste Pablo über Qualitäten verfügen, die man ihm auf den ersten Blick nicht ansah, und überdies: Körperliche Attraktivität war eine rein subjektive Eigenschaft.

Pablo schob sich an ihr vorbei in die Box und Paloma wollte die Scheune verlassen, doch er rief sie zurück. »Bleiben Sie bitte, Sie wollen doch bestimmt mit Conchita sprechen.«

Also blieb sie und beobachtete, wie er zunächst Conchitas Fußfesseln und dann das Halseisen löste, sodass sie von der Wand wegtreten konnte. Sie atmete hörbar auf und machte einige Kniebeugen.

»Sie war doch nicht etwa die ganze Nacht so gefesselt?«, fragte Paloma erschrocken.

Beide schüttelten den Kopf . »Nur die letzten zwei Stunden«, antwortete Pablo.

Er pflückte die Klammern von Conchitas Brüsten, was diese mit zwei Aufschreien quittierte, die Paloma zusammenfahren ließen. Doch als sich ihr Blick mit dem ihrer Freundin kreuzte, las sie darin nichts anderes als Glück.

Weil sie die Klammern los ist? Nein, wohl eher, weil ich sie so sehen kann …

Wieder dieser Stolz.

Mit routinierten Handgriffen befreite Pablo seine Frau von Zaumzeug, Trense und dem Leibgeschirr. Conchita war nun frei und reckte die Arme. Trotz ihrer Nacktheit bewegte sie sich völlig ungezwungen. Verlegen blickte Paloma zu Boden.

»Guten Morgen«, grüßte Conchita und lachte. »Schön, dass du den Weg gefunden hast. Du willst noch immer …?«

Paloma nickte ohne aufzusehen. Sie hörte, wie die beiden sich etwas zuflüsterten, dann sagte Pablo: »Okay, dann lasse ich euch jetzt mal allein. Aufbruch in zwanzig Minuten.«

Bevor er den Stall verließ, drückte er auf einen Schalter neben der Tür. Mit einem Mal erfüllte gleißendes Licht ausgewählte Teile des Raums, erzeugt von Spotstrahlern wie im Schlafzimmer der beiden.

Conchita umfasste Palomas Unterarme und suchte ihren Blick. Ihre Stimme und ihre Miene waren ernst, als sie fragte: »Du bist absolut sicher, dass du das durchziehen willst? Du wirst dich nicht befreien können. Wenn Lorenzo nicht kommt - und es gibt tausend Dinge, die ihn aufhalten können, das muss gar nichts Dramatisches sein -, kann das gefährlich werden! Am Nachmittag wird es heiß hier drin. Wir fahren nach Zaragoza und von dort aus am Montagmorgen direkt nach Hause. Hierher kommen wir frühestens in einer Woche wieder.«

Palomas Entschluss war unverrückbar. »Er wird kommen. Er liebt mich.«

Conchita sah sie noch einen Moment lang prüfend an, dann nickte sie zögernd. »Also gut. Du kannst deine Kleider auf den Stuhl dort in der Ecke legen, der ist sauber.«

Etwas verschämt zog Paloma zunächst die Schuhe und die Jeans, dann die Bluse aus, faltete die Kleidungsstücke und bettete sie auf die Sitzfläche des alten Plastikstuhls. Ohne sich umzusehen war sie sich bewusst, dass Conchita ihr dabei zusah, und neben Verlegenheit erzeugte das noch ein anderes Gefühl in ihr: ein gleichermaßen wohliges wie erschreckendes Kribbeln im Unterleib. Es war, als ob sie etwas Verbotenes täte - etwas schönes Verbotenes. Zweimal schielte sie zur immer noch offen stehenden Stalltür, aber gottlob tauchte Pablo nicht auf.

Dann kamen Strümpfe, BH und Höschen an die Reihe und sie stand nackt vor ihrer Freundin. Ohne es zu wollen verglich sie Conchitas überraschend jugendliche Brüste mit den ihren, die nicht ganz so groß waren, aber sich dennoch nicht vor denen ihrer Freundin verstecken mussten: straff und spitz und mit hellbraunen Warzenhöfen. Conchitas Brüste hingegen waren voller, wie zwei von Haselnüssen gekrönte Halbkugeln.

Der Betonboden fühlte sich rau und kalt unter ihren Füßen an, als sie zu »ihrer« Box schritt, aber sie sagte sich, dass die dicke Strohschicht die Kälte von ihr abhalten würde. Als sie sich mit Po und Rücken darauflegte und die Arme ausbreitete, stellte sie fest, dass sie recht gehabt hatte. Es war zwar nicht gerade warm, aber erträglich. Die Halme pikten etwas.

Conchita, die neben ihr kniete und eine der Ketten heranzog, hielt inne. »Alles in Ordnung? Hast du es dir anders überlegt?«

Paloma schüttelte den Kopf. »Mach weiter.«

Die Ketten mündeten in blitzenden stählernen Ringen, vielleicht fünf Zentimeter breit und beinahe einen Zentimeter stark. Conchita legte ihr den ersten um das rechte Handgelenk und ließ ihn zuschnappen. Mit einem Klicken rastete das Schloss ein. Der Ring lag sehr eng an.

Paloma hob den Kopf. »Der Schlüssel?«

»Ich lege ihn auf den Stuhl, oben auf deine Kleider.« Conchita grinste freundlich. »Damit Lorenzo dich befreien kann - wenn er das will!«

Zum ersten Mal, seit sie den Stall betreten hatte, lächelte Paloma ebenfalls. »Nicht sofort, hoffe ich …«

Conchita hob den Daumen. »Das ist die richtige Einstellung.«

Sie kettete Palomas andere Hand und die Füße an, sodass sie wie ein großes menschliches X am Boden lag. Dann zerrte Conchita an ihrem rechten Fuß. »Probier mal!«

Paloma versuchte, die weit gespreizten Beine zu schließen oder anzuziehen. Beides funktionierte nicht, die Ketten hielten sie unerbittlich fest.

»Jetzt die Arme.«

Auch ihre Arme hatten nicht viel Spielraum - gerade genug, dass ihr die Stellung nicht allzu unbequem war. Conchita ging neben ihr in die Hocke. Paloma wandte den Kopf und erblickte die haarlose Scheide ihrer Freundin in unmittelbarer Nähe. Sie gefiel ihr, was sie selbst überraschte.

Ob ich das auch einmal ausprobieren sollte?

»Ich weiß nicht genau, was du vorhast«, sagte Conchita, »aber ich habe das Gefühl, dass du mit dem Feuer spielst. Ich hoffe, du verbrennst dich dabei nicht.«

Sie strich ihr die Haare aus dem Gesicht, dann glitt ihre Hand nach unten. Sekundenlang schwebte sie über Palomas rechter Brust. Die Erwartung der Berührung ließ sie zittern, doch dann zog Conchita ihre Hand wieder zurück. Sie stand auf und winkte zum Abschied.

»Viel Glück!«

»Danke. Lass bitte die Tür der Box offen, ich laufe nicht weg!«

Sie hörte Conchitas Lachen, während sie um die Ecke verschwand, doch gleich darauf stand sie wieder in der Tür. Sie wirkte etwas verlegen. »Was ich noch sagen wollte: Du musst dir nichts dabei denken, wenn das Stroh nass wird, dafür ist es ja da. Pablo lässt mich die Boxen sowieso regelmäßig ausmisten, das ist nötig …«

Paloma hob den Kopf und musterte das Stroh zwischen ihren Beinen, als wäre es bereits so weit.

Mist, daran habe ich ja überhaupt nicht gedacht! Aber wenn Lorenzo bald kommt, kann ich es vielleicht halten …

Sie ließ den Kopf ins Stroh zurückfallen. Conchita war wieder verschwunden und Paloma erwartete, dass nun das Licht erlosch, doch stattdessen näherten sich schwere Schritte. Nicht das »Klack-Klack« der Nagelstiefel aus dem Verlies, sondern das Knarzen von ausgetretenen Ledersohlen auf Beton, aber Paloma erschien es in diesem Moment beinahe ebenso bedrohlich.

Pablos Kahlkopf tauchte in der Tür auf. Er hatte also der Versuchung nicht widerstehen können, die Freundin seiner Frau in ihrer ganzen hüllenlosen Pracht zu bewundern.

Und er ließ sich Zeit.

Am liebsten hätte Paloma die Augen geschlossen, aber irgendwie hätte sie sich dann als Feigling gefühlt. Sie hatte sich entschieden, das Ganze durchzuziehen, und musste nun auch dazu stehen - mit allen Konsequenzen. Sie sah ihm also in die Augen, wobei sie sich bemühte, ein möglichst ausdrucksloses Gesicht zu machen.

Ein überraschend kalter Blick ruhte auf ihr und überzog ihren Körper mit einer Gänsehaut. Es war nicht einer jener gierigen Röntgenblicke, mit denen Männer auf der Straße oder in Bars Frauen aus ihren Kleidern schälen, wie man eine Zwiebel schält, Lage um Lage, auch nicht der taxierende Blick, den man austauscht, wenn man einander vorgestellt wird. Es war ein selbstsicherer und machtbewusster Blick voll innerer Ruhe, den Paloma noch vor wenigen Wochen nicht hätte deuten können, der ihr nun jedoch sagte: Ich kann tun und lassen mit dir, was ich will, und du wirst es mit Freuden erdulden. Ob du die Peitsche bekommst oder meinen Schwanz - du wirst schreien und dich winden und dann erschöpft und verschwitzt, aber glücklich vor mir auf die Knie sinken und um mehr betteln.

Und in diesen langen Sekunden erkannte Paloma, dass es doch eine Gemeinsamkeit gab zwischen diesem untersetzten kahlköpfigen Mann und dem fast einen Meter neunzig großen, stets eleganten und stilvollen Lorenzo Águila - eine Gemeinsamkeit des Geistes, die nichts mit Wissen zu tun hatte, sondern mit Bewusstheit. Beide umschwebte eine beinahe hypnotische Dominanz wie eine Aura, die bestimmte Menschen gleich bei der ersten Begegnung in ihren Bann zwang und nie wieder losließ.

Dann nickte Pablo ihr zu, wandte sich um und ging hinaus, und Paloma erwachte aus ihrer Versunkenheit. Das grelle Licht erlosch, die Tür wurde zugezogen und Palomas Umgebung löste sich in Schwärze auf. Die Welt - das Universum - bestand nur noch aus ihrem Körper und den Ketten, die ihn hielten. Und natürlich ihrem Geist, der allen Fesseln trotzte.

Beinahe wie im Verlies, dachte sie. Fehlen nur noch die Fackeln und das Kohlebecken.

Nun konnte sie nichts anderes mehr tun als zu warten.

Zu warten und zu beten, dass ihr Plan funktionierte.

[Ende des 23. Kapitel, Ende der Leseprobe.]
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen