Sonntag, 1. Mai 2011

Ein »SM-Thriller« – was ist das?


Zunächst einmal per definitionem ein Thriller, der SM-Szenen enthält. Nicht »aufgepfropfte« SM-Szenen wohlgemerkt, z. B. um ein anderweitig unverkäufliches Manuskript für eine bestimmte Lesergruppe interessant zu machen. Ein SM-Thriller ist auch kein Roman, der ausschließlich aus SM- oder anderweitigen Erotik-Szenen besteht, denn dann wäre er ja kein Thriller mehr. Nein, die SM-Szenen sollten den gleichen Zweck erfüllen wie jede x-beliebige Szene jedes x-beliebigen (guten) Romans, nämlich:

a) Sie ergeben sich aus den Charakteren der handelnden Personen (»character is plot« sagt man im Englischen – der Charakter ist die Handlung),

b) sie vertiefen die Charaktere der handelnden Personen,

c) sie treiben die Handlung voran und

d) sie beinhalten einen Konflikt (und noch ein paar andere Dinge, die zu erörtern hier zu weit ginge).

So einfach – oder so schwierig – ist das.

Eine Verletzung der ersten Regel resultiert grundsätzlich darin, dass Leute dumme (d. h. unverständliche) Dinge tun. Romane, in denen das geschieht, gibt es leider zu viele, und Filme noch viel mehr.

Das bringt uns zu der

Frage: Wie viele SM-Szenen enthält ein »SM-Thriller«?

Antwort: Im Idealfall exakt so viele, wie die Handlung erfordert. Das ergibt sich schon aus der absoluten Priorität der zu erzählenden Geschichte: Alles, was nicht zu dieser Geschichte gehört, hat im Roman nichts zu suchen. (Leider gibt es allzu viele Autoren, die dieses Postulat vergessen oder, schlimmer noch, nie davon gehört haben.)

Ich kann es mir erlauben, diesem Postulat treu zu bleiben, da ich das große Glück habe, mit »Marterpfahl« über einen Verlag zu verfügen, der mir absolut freie Hand lässt sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf den Umfang meiner Romane. (Wer sich einigermaßen in der Branche auskennt weiß, dass das alles andere als selbstverständlich ist.) Das bedeutet, der Leser hält den »nackten« Tomás de Torres in der Hand; da wurde nichts von fremder Hand gekürzt oder gar hinzugefügt. Letztlich führt dies dazu, dass es in einigen meiner Romane mehr bzw. weniger SM-Szenen gibt als in anderen. So enthält »Sklavenjagd« z. B. deutlich weniger »direkte« SM-Szenen als »S & M Dreams Inc.« oder auch mein nächster Roman, über den ich an dieser Stelle zu gegebener Zeit mehr sagen werde.

Das Urteil darüber, wie viele SM-Szenen zur Handlung gehören, liegt dabei natürlich allein in der Hand des Autors, also meiner – welche andere Instanz könnte es geben? Und dass ein Autor in so einer diffizilen Frage nicht immer den Geschmack aller Leser treffen kann, ist eigentlich selbstverständlich. Solange die Auflage aber von Roman zu Roman weiter steigt, denke ich, dass ich zumindest auf dem richtigen Weg bin, und das (fast einhellig) äußerst positive Echo auf »Sklavenjagd« scheint mir recht zu geben. Ich werde mich auch weiterhin bemühen, mir selbst treu zu bleiben – und damit letztlich (hoffentlich) die Erwartungen des Gros meiner Leserschaft zu erfüllen.

So viel für heute. Noch einen schönen Maifeiertag wünsche ich!

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