Donnerstag, 7. April 2011

Leseprobe »S & M Dreams Inc.«

Hier nun wie versprochen eine Leseprobe aus meinem im Herbst 2009 erschienen Roman »S & M Dreams Inc.«, der nach wie vor lieferbar ist. Es handelt sich um den größten Teil des 11. Kapitels.



UPDATE 14. 12. 2014: Die Leseprobe bildet nun das komplette 10. Kapitel der E-Book-Neufassung des Romans »S & M Dreams Inc.« ab. (Mehr zu der E-Book-Neufassung in diesem Blogeintrag.)


(Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Marterpfahl-Verlags.)


10.

»Zimmer 548 – Konditionierung 6« stand auf der Tür, die aus Stahl oder Eisen bestand wie alle Türen in diesem riesigen Komplex. Julie war mittlerweile sicher, sich tief unter der Erde zu befinden, denn keiner der Gänge oder Räume, die sie bislang zu Gesicht bekommen hatte, verfügte über Fenster.

Zimmer 548 war quadratisch, vielleicht sechs mal sechs Meter, und sein Boden bestand einer einzigen Matte, wie man sie in Fitness-Studios oder Turnhallen fand. Die linke Wand war mit einem riesigen Spiegel verkleidet. Der Anblick des einzigen Einrichtungsgegenstands ließ Julie zusammenfahren: eine niedrige hölzerne Bank mit einer grünem Auflagefläche, von der mehrere Lederriemen herabhingen. Aus einem Köcher daneben ragten die Enden von mindestens einem Dutzend Rohrstöcken.

Drei Frauen saßen mit untergeschlagenen Beinen in einer Reihe auf der rechten Seite, die Gesichter dem Spiegel zugewandt. Sie waren nackt wie Julie und trugen identische Knebelmasken, waren jedoch ungefesselt. Ein weiterer Schwarzuniformierter mit der Statur und der Physiognomie eines Rausschmeißers stand mit verschränkten Armen in einer Ecke und erweckte den Eindruck, jederzeit sprungbereit zu sein.

Julies Wärter befreite sie von den Handschellen und führte sie an der Reihe der Frauen entlang nach hinten. Dabei bemerkte Julie, dass alle drei rote Ohrmarken trugen, ihre Nummern lauteten 4276, 4277 und 4278. Ihre eigene Nummer, die Julie niemals vergessen würde, war 4279, was offensichtlich bedeutete, dass die drei Frauen unmittelbar vor ihr gefangen worden waren. Nummer 4278, mit einer zerrupften braunen Lockenfrisur, kam ihr bekannt vor. Als sie ihr den Kopf zuwandte, erinnerte Julie sich: Sie war ihr am Vorabend in dem Raum begegnet, wo der alte Mann im Arztkittel die »Schmerztests« durchgeführt hatte.

4278 zitterte am ganzen Körper, in ihren Augen standen Tränen. Ein Speichelfaden hing unter der Knebelmaske bis auf die Höhe ihrer festen Brüste. Die anderen beiden Frauen machten einen gefassten Eindruck, wenn sie auch bleich waren und mit stumpfen Blicken vor sich hin starrten.

Auf einen Befehl des Wärters ließ Julie sich ebenfalls im Schneidersitz nieder. Sie saß nun ihrem Spiegelbild gegenüber und erschrak: Ihre blonden Haare waren zerzaust und ihr Gesicht grau, was nicht nur der kalten Neonbeleuchtung zugeschrieben werden konnte. Die grünen Augen strahlten eine ähnliche Verzweiflung aus wie die braunen Augen von 4278, ihrer Nachbarin, und von der Unterkante ihrer Knebelmaske begann ebenfalls Speichel zu tropfen, wie beim Zahnarzt nach einer örtlichen Betäubung.

Im Spiegel sah Julie, wie der Wärter den Raum verließ. Ihr Blick wanderte zu dem Gorilla in der Ecke, doch der bewegte keinen Muskel. Offensichtlich war man noch nicht komplett.

Sie musste nicht lange warten. Ein weiterer Wärter trat ein, in Begleitung einer nackten Frau. Der Mann war kaum größer als diese und beinahe ebenso zierlich gebaut, mit gelackten schwarzen Haaren und einem dünnen Oberlippenbart. Er hielt einen gelb-roten Stock in der Hand. Die Frau war ungefesselt, von südländischem Typus, und an den Ober- und Unterseiten ihrer ansonsten dunklen Warzenhöfe befanden sich auffallend helle Stellen.

Der kleine Wärter schloss die Eisentür hinter sich ab und baute sich vor den vier Frauen auf. Seine rechte Faust zuckte rhythmisch, und das knapp einen Meter lange Ding, das er darin hielt, schwang vor und zurück wie ein Pendel. Es war kein Stock, wie Julie zunächst gedacht hatte, sondern ein technisches Gerät mit gelbem Griff, der in einen langen, durchsichtigen Stab mündete, in dem ein rotes Kabel verlief. Der Stab endete in einer roten Doppelspitze, wie die Zinken einer Gabel. Julie fühlte sich an alte Darstellungen der Hölle erinnert, auf denen die Teufel lange Gabeln hielten, mit denen sie die zur ewigen Verdammnis verurteilten Sünder bis zum Jüngsten Tag quälten. Ein Schauer der Angst durchlief sie, als sie erkannte, wozu das Gerät diente.

Ein Elektrostab! Damit kann man Elektroschocks austeilen!

Keine Frage, ihr »Ausbilder« würde sich nicht auf gutes Zureden beschränken, wenn eine der »Kursteilnehmerinnen« schwer von Begriff war.

Die Frau, die mit dem Ausbilder gekommen war, nahm seitlich hinter ihm Aufstellung, unmittelbar am Spiegel, Kopf und Blick gesenkt, mit auf dem Rücken verschränkten Händen. Sie hatte eine dünne weiße Narbe am linken Brustansatz sowie eine tätowierte »79« am linken Oberarm, jedoch keine Ohrmarke. In ihre äußeren Schamlippen waren jeweils vier stählerne Ringe eingelassen.

Der Ausbilder räusperte sich, und sofort hefteten sich die unsicheren bis angstvollen Blicke der Frauen auf ihn. Die Spitze des Elektrostabs senkte sich auf die Matte.

»In der ersten Lektion geht es um die Grundhaltung der Sklavin, also um die wichtigsten Sklavinnenpositionen«, begann er. Keine einleitenden Worte, keine Vorstellung, aber das war unter diesen Umständen wohl auch nicht zu erwarten gewesen, dachte Julie.

»Diese Grundpositionen sind wichtig, denn mit ihnen zeigt die Sklavin ihrem Herrn ihre Ergebenheit. Die einmal eingenommene Position wird nur auf Befehl des Herrn geändert, und dieser Befehl besteht entweder in einem gesprochenen Kommando oder einem Handzeichen.«

Er nahm den Elektrostab in die linke Hand, spreizte die Finger der rechten und bewegte die Hand dann ruckartig nach unten. Die Frau neben ihm, die er wohl als »Demonstrationsobjekt« mitgebracht hatte, warf sich auf den Boden, Bauch und Brüste auf die Matte gepresst, die Beine lang ausgestreckt, die Hände auf dem Rücken gekreuzt. Ihre Stirn berührte die Matte, aber Julie sah, dass ihr Blick an der Hand des Mannes hing. Als dieser die Finger der Rechten zusammenlegte und die Hand dann hob, sprang die Frau wieder auf die Füße. Den Blick hielt sie gesenkt, die Arme auf dem Rücken.

»Lektion Nummer eins«, schnarrte der Ausbilder mit dem Bärtchen, »der Blick ist immer gesenkt, die Sklavin sieht stets nur auf die Hände ihres Herrn und niemals in dessen Gesicht!«

Julies Blick wanderte nach unten. Um keinen Preis wollte sie die Erste sein, die der Stock traf. Sie nahm sich fest vor, allen Befehlen zu folgen und diese »Ausbildung« so reibungslos wie möglich hinter sich zu bringen.

»Die erste Grundposition ist das Stehen.« Die rote Doppelspitze des Elektrostabs berührte nacheinander beide Beine des »Demonstrationsobjekts«. Julie zuckte in der Erwartung einer Entladung zusammen, doch nichts geschah. »Die Füße befinden sich parallel zueinander, im Abstand von zehn Zentimetern. Die Körperhaltung ist gerade, der Blick gesenkt. Die Hände liegen auf dem Rücken, mit überkreuzten Handgelenken, bereit zur Fesselung.«

Julie und ihre drei Leidensgefährtinnen sahen es im Spiegel.

»Das betreffende Kommando lautet: Auf! Die Geste: eine Aufwärtsbewegung der offenen Hand.« Er führte die Geste vor, dann wandte er sich den Frauen zu.

»Auf!«

Julie und die anderen sprangen auf. Der Ausbilder verzog die Mundwinkel. »Na, das geht bestimmt noch besser und vor allem schneller. Sitz!«

Julies Blick hing an der Frau mit der tätowierten 79, die sich in einer einzigen fließenden Bewegung in den Schneidersitz niederließ. Alle taten es ihr nach, allerdings erheblich weniger elegant.

»Auf!«

Sie sprangen wieder auf. Der Ausbilder nahm den Stab in die rechte Hand und ging an der Reihe der Frauen entlang wie ein General, der eine Parade abnimmt.

»Niemals ins Gesicht blicken!«, fuhr er die Zweite in der Reihe an, Nummer 4277. Das Knattern einer Entladung, ein durch die Knebelmaske gedämpftes Aufheulen – und alle vier Frauen zuckten zusammen. Julie reckte ihren Körper und fixierte mit dem Blick die Matte.

»Das war nur Stufe eins«, sagte der Ausbilder und schwenkte den Stab. »Bei der Nächsten verwende ich Stufe zwei. Ich werde euch nicht verraten, wie viele Stufen es gibt.«

Er ging weiter. Bei 4278, deren spitze und vom Speichel glänzende Brüste bebten, verharrte er einige Zeit, hob den Stock, senkte ihn jedoch wieder. Als er zu Julie kam, stand diese starr vor Angst, die Hände wie gefesselt auf dem Rücken überkreuzt, die Brüste herausgedrückt, den Blick auf den Gürtel des Mannes genagelt.

Er wandte sich ab und nahm seine alte Position wieder ein. Julie entließ die angehaltene Luft aus den Lungen.

»Die zweite Grundposition ist das Sitzen mit untergeschlagenen Beinen. Wohlgemerkt sitzen und nicht lümmeln! Was ich beim Eintreten gesehen habe, möchte ich nie wieder sehen, haben wir uns verstanden?«

Vier in schwarzen Knebelmasken steckende Köpfe nickten.

»Das Kommando lautet einfach: Sitz! Das Handzeichen ist die geballte Faust, die nach unten geführt wird.«

Er trat zu dem »Demonstrationsobjekt«, das sich wieder im Schneidersitz niedergelassen hatte, und benutzte den Elektrostock als Zeigestab. »Die Beine berühren sich an den Knöcheln, die geöffneten Hände liegen auf den Knien mit den Handflächen nach oben, Rücken und Kopf gerade, der Blick natürlich gesenkt. – Sitz!«

Nummer 4276 bis 4279 nahmen die vorgeführte Position ein. Wieder nahm der Ausbilder die Parade ab. Bei der Brünetten neben Julie blieb er stehen und schüttelte den Kopf. Eine kaum merkliche Berührung der roten Stabspitze am linken Oberschenkel der Frau, eine Entladung, ein Aufheulen. Nummer 4278 kollabierte mit zuckenden Beinen.

»Rücken gerade!«

Julie drückte ihren Rücken noch weiter durch, und ein zweites Mal bestand sie.

Beide Kommandos wurden fünf- oder sechsmal wiederholt, bis der Ausbilder zufrieden war. Dann kam die nächste Position.

»Das Kommando lautet: Knie! Handzeichen ist die offene Hand, die nach unten geführt wird, die Finger zusammengelegt.«

Er führte das Kommando vor, und die Frau mit der tätowierten 79 kniete neben ihm nieder.

»Die Beine sind dabei so weit wie möglich gespreizt, die Arme auf dem Rücken überkreuzt wie beim Stehen, die Titten herausgedrückt, Kopf gerade, Blick gesenkt. – Auf!«

Alle sprangen auf.

»Knie!«

Julie spreizte die Knie bis zur Schmerzgrenze. Ihre rasierte Spalte war nun für jeden sichtbar, aber ihr Schamgefühl war mittlerweile so weit abgestumpft, dass sie das nicht mehr störte.

Der Ausbilder ging wieder an der Reihe entlang. Vor 4278, deren Oberkörper zuckte, blieb er stehen. Julie riskierte einen Seitenblick. Die Brünette kniete mit hängendem Kopf neben ihr, aber ihre Beine waren zusammengepresst. Ihr Schamgefühl war offensichtlich noch nicht abgestumpft.

Der Ausbilder hielt sich nicht mit Ermahnungen auf. Mit dem Daumen nahm er eine Schaltung am Elektrostab vor und berührte die Frau dann hoch am Oberschenkel. Sie schrie nicht einmal auf, sondern machte nur einen Satz nach hinten, als ob ihr Körper von einer unsichtbaren Kraft zurückgeschleudert wäre.

»Knie!«

Julie überprüfte ihre Position und spreizte die Beine noch weiter, während 4278 sich schniefend aufrichtete. Ein Schleimfaden hing von ihrer Nase, aber sie wagte offensichtlich nicht, ihn abzuwischen. Mit auf dem Rücken überkreuzten Armen nahm sie die befohlene Position mehr schlecht als recht ein. Der Elektrostab schwang ein paarmal hin und her, dann wandte der Ausbilder sich ab.

Sie macht es nicht mehr lange!, dachte Julie erschrocken.

Das nächste Kommando lautete »Bauch!«, die Frau mit der 79 am Arm hatte es bereits zu Beginn vorgeführt. Der Ausbilder führte die offene Hand mit gespreizten Fingern nach unten, und alle warfen sich auf den Bauch und kreuzten die Hände auf dem Rücken, bereit zur Fesselung. Sogar 4278 bemühte sich mit eckigen Bewegungen, dem Befehl nachzukommen.

»Nur noch zwei Kommandos, dann ist die heutige Lektion beendet«, sagte der Ausbilder. »Inspektion!«

Das »Demonstrationsobjekt« stellte sich mit dem Rücken zu den Frauen, die Beine gespreizt. Dann beugte sie nieder, bis ihre Fingerspitzen die Zehen berührten.

»Dieses Kommando ermöglicht dem Herrn die Inspektion der Sklavin, vor allem natürlich Arschloch und Möse.«

Julie krümmte sich unter seiner Ausdrucksweise wie unter einer Schmerzattacke. Nicht einmal Rob Mason, der ordinärste unter ihren bisherigen Freunden, hatte solche Wörter benutzt, zumindest nicht ihr gegenüber.

»Inspektion!«, befahl der Ausbilder, und alle drehten sich wie auf dem Exerzierplatz um 180 Grad, spreizten die Beine und bückten sich.

Alle außer einer.

4278 brach schluchzend zusammen. Der Ausbilder baute sich vor ihr auf, sie hob den Kopf und stammelte hinter dem Knebel unverständliche Worte. Dabei beging sie auch noch den Fehler, ihm in die Augen zu blicken.

»Inspektion!«, wiederholte er und hob den Stab.

Die Brünette schüttelte den Kopf und schluchzte noch lauter. Drei Worte waren es, die sie zu stammeln versuchte, und Julie nahm an, es sollte »Ich kann nicht!« heißen.

Julie erwartete, dass nun wieder der Elektrostab in Aktion treten würde, doch stattdessen wandte der Ausbilder sich ab und gab dem hünenhaften Wärter, der immer noch mit verschränkten Armen in der Ecke stand, einen Wink. Dieser ging zu 4278, hob sie wie eine Puppe hoch und schleifte sie zur Tür. Der Ausbilder schloss sie auf und, nachdem die beiden im Gang verschwunden waren, wieder zu. Dann nahm er seinen Platz vor den drei verbliebenen »Auszubildenden« ein.

»Es kommt immer wieder vor«, sagte er, »dass jene Konditionierung, der in unserer westlichen Zivilisation jede Frau von klein auf unterworfen wird – nämlich die Konditionierung zu unnatürlicher Schamhaftigkeit –, sich als zu stark erweist. Man kann natürlich auch diese Konditionierung durchbrechen, doch das ist ein aufwendiger Prozess, der sich nicht rechnet. Solch ein Exemplar ist unbrauchbar und wird aussortiert.«

Julie fühlte seinen Blick in ihrem gebeugten Nacken. Eine Schweißperle rann von ihrer Stirn ins linke Auge. Sie blinzelte und schluckte.

»Ihr fragt euch natürlich, was nun mit 4278 geschieht. Aber glaubt mir: Ihr wollt es nicht wirklich wissen! – Weiter.«

Es war, als hätte sich ein Relais in Julies Gehirn geschlossen, von dem sie bislang nicht geahnt hatte, dass es überhaupt existierte. Als wäre ein Sicherheitsmechanismus in Kraft getreten, der verhinderte, dass sie den Verstand verlor oder zumindest ebenso zusammenbrach wie 4278. Den Rest der Lektion brachte sie in einem tranceähnlichen Zustand hinter sich. Sie lernte noch das Kommando »Peitsche!«, woraufhin sie sich mit zusammengelegten Beinen niederknien musste, den Oberkörper gestreckt, die Hände hinter dem Kopf gefaltet und bereit, die Peitsche auf Rücken oder Po zu empfangen. Dann folgte eine Wiederholung aller Kommandos und Handzeichen bis zur völligen Erschöpfung. Der Elektrostab trat mehrmals »korrigierend« in Aktion, aber wie durch ein Wunder traf er nie Julie.

Endlich war der Unterricht abgeschlossen – für heute. Morgen früh, versprach der Ausbilder, würde es weitergehen. Eine nach der anderen wurden die Frauen mit Handschellen gefesselt und in ihre Zellen zurückgebracht, Julie als Letzte. In dem winzigen Raum vertauschte der Wärter die Handschellen gegen Fußfesseln, nahm ihr die Knebelmaske ab und kettete sie an die Wand. Julie war sogar zu schwach, um Wasser zu trinken. Sie schlief beinahe sofort ein.

[Ende von Kapitel 10, Ende der Leseprobe.]

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