Dienstag, 8. März 2011

Die schönsten vier Buchstaben ...


... für einen Autor sind jene, die das Wörtchen E-N-D-E bilden. Und das habe ich vergangenen Sonntag unter das Manuskript meines nächsten SM-Thrillers geschrieben, der am 30. 9. 2011 erscheinen wird, dessen Titel ich aber leider noch nicht verraten kann. Nur so viel: Er ist kürzer als »Sklavenjagd«, enthält mehr SM-Szenen und ist (hoffentlich) noch spannender und intensiver. Er spielt in den Bergen der Costa del Sol, in einer Villa in wahrhaft atemberaubender Lage, auf drei Seiten umgeben von tiefen Abgründen. Und um Abgründe – vor allem menschliche – dreht sich auch die Handlung. Mehr dazu später ...

Natürlich ist die Arbeit an einem Roman nicht wirklich in dem Moment abgeschlossen, in dem der Autor das Wörtchen »Ende« unter das Manuskript setzt. Ich rede hier nicht von all den Arbeitsprozessen, die beginnen, wenn das Manuskript den Verlag erreicht (Lektorat, Layout, Druck, Werbung etc.), sondern von der Arbeit, die der Autor vorher selbst noch investieren muss. Mit einem einfachen »Herunterschreiben« ist es nämlich in der Regel nicht getan (wenn wir mal von Heftromanen und Ähnlichem absehen): Je nach Arbeitsweise des Autors sowie individuellen Erfordernissen des jeweiligen Romans folgen danach noch eine oder gar mehrere Überarbeitungen. Wobei es auch zu Extremen kommen kann: In einem Interview sagte Tanja Kinkel einmal, sie habe ihren Roman »Venuswurf« siebenmal komplett überarbeitet. Da bleibt mir echt die Luft weg: Wenn ich einen Roman siebenmal (!) überarbeite, heißt das nicht mehr und nicht weniger, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, was ich will, wenn ich mich zum ersten Mal an den Computer setze. Was für eine sinnlose Verschwendung von Zeit und Energie! Mit ein bisschen Planung hätte sie in der gleichen Zeit mindestens drei Romane schreiben können. Jemand, der von dem leben muss, was er schreibt, und der seine Romane nicht gerade täglich auf den Bestsellerlisten wiederfindet, kann sich den Luxus eines solchen Herumlavierens jedenfalls nicht leisten, sondern muss von Anfang an einen kerzengeraden Kurs halten.

Ich schreibe grundsätzlich zunächst ein sehr detailliertes Exposé, das die Charakterisierungen der Hauptpersonen, eine Zeitschiene und auch bereits die Kapitelunterteilungen enthält (bis hin zu Dialogfetzen). Der Umfang dieses Exposés liegt in der Regel bei 15 bis 20 Prozent des späteren Romanumfangs, manchmal mehr. Eventuelle Änderungen sind darin sehr einfach durchzuführen, das nachträgliche Einbringen neuer Ideen ist ebenso leicht. Diese Vorgehensweise schützt mich vor unangenehmen Überraschungen im letzten Kapitel und spart letztlich sehr viel Zeit. Erst wenn dieses Exposé »steht«, beginne ich mit der Niederschrift. Die »heiße Phase« der Niederschrift für einen Roman von 250 bis 300 Normseiten Länge dauert dann etwa zwei Monate, wobei ich nur vormittags schreibe, fünf bis sechs Tage pro Woche. Dann ist die weitaus größte Arbeit vorbei; die folgende Überarbeitung ändert den Umfang des Romans nicht mehr wesentlich.

Diese relativ kurze Phase der Niederschrift sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass von der ersten Romanidee bis zum schönen Wörtchen »Ende« in der Regel Jahre vergehen, in denen die Idee langsam Gestalt annimmt. Dutzende, manchmal Hunderte kleiner Ideen für Handlung, Charaktere und Dialoge werden notiert, sortiert, verworfen oder verbessert. (Eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Autors, habe ich einmal gelesen, sei jene, zwischen einer guten und einer schlechten Idee unterscheiden zu können. Das kann ich voll unterschreiben.) Bei »Sklavenjagd« dauerte diese Phase knappe zwei Jahre, was ein echter Geschwindigkeitsrekord ist, bei dem neuen Roman dagegen fast viereinhalb Jahre. Der Durchschnitt dürfte etwa bei drei bis vier Jahren liegen. Und natürlich weilen meine Gedanken bereits beim nächsten Roman, manchmal sogar schon beim übernächsten. Geschichten sollten reifen wie Wein; sie werden mit der Zeit noch besser ...

In diesem Sinne – bis zum nächsten Mal!

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