Hier nun wie versprochen eine Leseprobe aus meinem im Herbst 2009 erschienen Roman »S & M Dreams Inc.«, der nach wie vor lieferbar ist. Es handelt sich um den größten Teil des 11. Kapitels.
Die Situation ist folgende: Victoria (»Vicky«) Roberts hat bei der Firma »S & M Dreams Inc.« einen Urlaub gebucht, in dem sie ihre geheimsten Unterwerfungsphantasien ausleben kann. Alles geschieht genau so, wie sie es in ihrem »Urlaubsantrag« festgelegt hat. Bald jedoch muss sie erkennen, dass zwischen Theorie und Praxis ein himmelweiter Unterschied besteht ...
(Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Marterpfahl-Verlags.)
11.
Victoria Roberts überschritt eine Schwelle, und plötzlich schmeckte sie Rauch und spürte die Wärme eines entfernten Feuers auf ihrer nackten Haut. Sie hielt an und die Maske fiel. Sie stand in der Tür eines Raumes, der etwa acht Meter im Geviert maß und außergewöhnlich hoch war – mindestens fünf, vielleicht sogar sechs Meter, schätzte sie. Boden und Wände bestanden aus den gleichen roh behauenen Quadern wie ihre Zelle, auch wenn der Fußboden hier nicht mit Streu bedeckt war. Die einzige, aber ausreichende Lichtquelle bildete etwa ein Dutzend Fackeln, die an den Wänden blakten; die Decke war teilweise rußgeschwärzt.
Der Raum ähnelte bis ins Detail einer mittelalterlichen Folterkammer. Lediglich der Stromgenerator in einer der hinteren Ecken passte nicht ganz in dieses Bild.
Wahrscheinlich für Elektroschocks, überlegte Vicky.
An der vom Eingang aus gesehen linken Wand waren Käfige aus dicken Eisenstäben aufgereiht, manchmal mehrere übereinander. Sie besaßen verschiedene Formen und Größen; die meisten waren so winzig, dass Vicky sich nicht vorstellen konnte, dass ein Mensch darin Platz hätte, geschweige denn es längere Zeit aushielte. Doch zwei dieser Käfige, in denen man nicht einmal einen Hund halten würde, waren von nackten Frauen besetzt. Eine von ihnen hatte eine rote Ohrmarke. Beide blickten Vicky schweigend an.
Die rechte Wand wurde von einer Vielzahl verschiedener Fesselungsgeräte eingenommen – vom klassischen Andreaskreuz, das Vicky aus Bildern und Filmen kannte, über Böcke und kettenbehängte Säulen bis hin zu mittelalterlichen Schandpfählen und Prangern.
Die Mitte des Raums nahm eine beängstigend echt aussehende Streckbank ein, ein wahres Monster aus dunklem, beinahe schwarzem Holz, mit einem großen Speichenrad und einer Unzahl von Ketten und Lederriemen versehen. Dahinter, von der Streckbank halb verdeckt, konnte Vicky den im Licht der Fackeln glänzenden Körper einer „Eisernen Jungfrau“ erkennen.
Keine Frage, die Ausstattung der „Geschäftsräume“ von S & M Dreams Inc. war so reichhaltig und vielfältig wie die Phantasie der Klientel dieser Firma.
Jemand berührte sie am Hals. Vicky sah sich um – eine dieser Slavinnen mit blauer Marke nahm ihr das Hundehalsband ab; eine, die sie bislang noch nicht gesehen hatte. Ihre Nummer lautete 1049, und es handelte sich um eine Afroamerikanerin. Ihr Alter war schwer zu schätzen, konnte aber keinesfalls mehr als zwanzig Jahre betragen. Sie hatte eine kurze Lockenfrisur und Brüste, die zu perfekt waren, um vollständig natürlichen Ursprungs zu sein. Als die Sklavin einen Schritt zur Seite machte, bemerkte Vicky, dass diese sich in einem Punkt von allen anderen Sklavinnen unterschied, die sie bislang zu Gesicht bekommen hatte: Ihr rechtes Fußgelenk wurde von einer eisernen Schelle umschlossen, an der eine lange Kette befestigt war. Vickys Augen folgten der Kette bis zu einem der Füße der Streckbank, wo sie endete. Diese Sklavin, schlussfolgerte die Anwältin, gehörte also zum „Inventar“ der Folterkammer. Die Fußkette war lang genug, dass sie jeden Winkel des Raums erreichen konnte; sie war jedoch nicht in der Lage, ihren „Arbeitsplatz“ zu verlassen. Möglicherweise, überlegte Vicky, verbrachte sie ihre Nächte in einem der Käfige.
Einige davon würde ich auch gern mal ausprobieren ...
Doch davon stand nichts in ihrem „Urlaubsantrag“.
Aber, schoss es Vicky durch den Kopf,
das muss ja nicht der letzte derartige Urlaub gewesen sein! Mal sehen, vielleicht nächstes Jahr ...
Der Wärter legte ihr eine Hand auf den bloßen Rücken und dirigierte sie so in den hinteren Bereich der Folterkammer. Kettengeklirr sagte Vicky, dass die schwarze Sklavin ihnen folgte.
Vor einem hüfthohen hölzernen Bock, dessen schmale Auflagefläche mit fleckigem Leder gepolstert war, hielten sie an. Über die Natur dieser Flecken dachte Vicky lieber nicht nach. Auf einen Wink des Schwarzuniformierten ließ sie sich bäuchlings auf den Bock nieder, so dass ihre Arme und Beine nach unten baumelten. Die schwarze Sklavin legte ihr lederne Fesseln um Hand- und Fußgelenke und zog dann die daran befestigten Ketten so straff, dass Vickys Oberkörper fest auf die Unterlage gepresst wurde. Ihr Kopf hing ins Leere, während ihr nackter Unterleib nach hinten hinausragte. Jemand, der hinter ihr stand – zum Beispiel der Wärter –, erhielt damit tiefe Einblicke – und volle Verfügungsgewalt.
Vickys bloße Brüste hingen beiderseits der Auflagefläche nach unten, und ihnen galt die nächste Aktion der Sklavin. Sie ging zu einer wenige Meter entfernt stehenden Truhe, die aussah wie eine uralte Seemannskiste, und öffnete sie. Vicky konnte von ihrer Position aus nicht in die Truhe hineinsehen, aber nur Sekunden später kam die Sklavin zurück. In der Hand hielt sie ein Paar metallener Klammern, die durch eine kurze Kette miteinander verbunden waren.
Der Augenblick der Wahrheit!, fuhr es Vicky durch den Kopf.
Sie hatte bereits einige Male mit Brustklammern „gearbeitet“. Sie besaß zwei solche Paare: Eines mit kleinen metallenen Zähnen, deren Druck aber nicht sonderlich groß war, so dass dieses Paar weniger schmerzte als das andere, das als „Krokodilklemmen“ bezeichnet wurde – und nicht ohne Grund: Deren Auflageflächen waren zwar mit Gummi ausgelegt, doch der Druck, den diese Klammern auf ihre empfindlichen Brustwarzen ausübten, war erheblich größer als bei den kleineren Metallklammern – und somit erheblich schmerzhafter. Länger als einige Minuten hatte Vicky es niemals ausgehalten.
Die Sklavin ging neben ihr in die Hocke, und für einen Augenblick hatte Vicky einen guten Blick auf die Klammern in ihren Händen. Sie waren fast identisch mit ihren eigenen Krokodilklemmen, aber dieses Mal, das wusste sie, würden sie nicht bereits nach einigen Minuten abgenommen werden. Denn als sie das Formular für S & M Dreams ausgefüllt hatte, hatte sie befohlen: „Eine halbe Stunde“, wohl wissend, dass sie es niemals so lange aushielte, wenn sie ihre Hände frei hätte – dann würde sie die Klammern nämlich lange vor Ablauf dieser Zeit abnehmen.
Die erste Klammer schnappte um ihre rechte Brustwarze, und Vicky schrie auf, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, das nicht zu tun. Ungerührt führte die Sklavin die Verbindungskette der beiden Klammern unter dem Bock durch und befestigte auch die zweite Klammer, was Vicky einen erneuten Wehlaut entlockte. Sie bemerkte, wie Tränen des Schmerzes in ihre Augen traten.
Sie genoss jeden Sekundenbruchteil.
Probeweise zerrte sie an ihren Fesseln – sie gaben nicht einmal einen Zentimeter nach. Vicky würde nun wohl oder übel all das erdulden müssen, was sie sich zu Hause, beim Ausfüllen des „Urlaubsantrags“, ausgemalt hatte. Und der Unterschied zwischen Theorie und Praxis würde ihr ein in jeder Beziehung unvergessliches Erlebnis bescheren ...
Die Sklavin klirrte davon, kehrte jedoch umgehend wieder zurück. Diesmal hielt sie einen Knebel in den Händen, an dem einige Riemen befestigt waren. Mit geübten Griffen streifte sie Vicky die Riemen über den in der Luft hängenden Kopf, steckte ihr den Knebel – einen schwarzen Gummiball, einfach aber effektiv – in den Mund und verschloss die Riemen in ihrem Nacken, so dass die Anwältin nicht mehr in der Lage war, den Gummiball auszuspucken. Nach einigen Sekunden bereits sah sie einen Faden von Speichel, den sie nicht mehr zurückhalten konnte, langsam zu Boden sinken.
Sklavin Nr. 1049 erhob sich und trat etwas zur Seite, wo sie abwartend stehen blieb. Vicky hörte, wie sich die Schritte des Schwarzuniformierten von hinten näherten – sie war zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen um zu bemerken, dass er weggegangen war. Der Schmerz, den ihre Brustwarzen ausstrahlten, übertönte alles andere, degradierte es zur Unwichtigkeit.
Aber das würde nicht lange so bleiben, das war ihr klar, denn nun ...
Ein hohes Pfeifen ertönte, und im nächsten Augenblick zog sich eine Spur aus Feuer quer über ihren Po. Sie schrie in den Knebel.
„Eins!“, sagte der Mann mit der ruhigen und sachlichen Stimme eines Buchhalters.
Einer – von zwölf!
Sie hatte sich oftmals selbst mit einem Rohrstock geschlagen, manchmal so stark, dass sie am nächsten Morgen kaum mehr sitzen konnte – ein stiller und heimlicher Schmerz, den sie genoss wie ein Kind eine Süßigkeit, die es stibitzt hatte und heimlich verzehrte.
Doch
dieser Schmerz war nicht still und heimlich – er war laut und öffentlich, sie schrie ihn hinaus, in den Knebel, der den Schrei nur unwesentlich dämpfen konnte. Vicky erkannte, dass sie die Schlagkraft eines in dieser Beziehung geübten Mannes völlig unterschätzt hatte.
Ein erneutes Pfeifen erfüllte die Luft.
„Zwei!“
Vickys Körper zuckte auf dem Bock; ihre Hände und Füße zerrten an den Fesseln. Ketten klirrten. Ein scharfer Schmerz durchfuhr ihre Brüste, als es ihr gelang, sich einen oder zwei Zentimeter über die Auflagefläche des Bocks zu erheben. Sie ließ sich wieder fallen, versuchte, ihren Körper halbwegs zu entspannen.
„Drei!“
Nach sechs Schlägen, die in wohldosierten Abständen fielen, fühlte sich ihr Hintern an, als wäre er in flüssiges Magma getaucht. Ihre Schreie waren in ein langgezogenes Wimmern übergegangen, unterbrochen nur durch ein panikhaftes Aufjaulen, wenn ein neuer Streich fiel.
Irgendwann – es schienen Äonen vergangen zu sein – drang eine Zahl wie durch einen dichten Nebel in die bewussten Schichten ihres Denkens.
„Zwölf!“
Der letzte Schlag war gefallen! Vicky sackte auf dem Bock zusammen, ihr Körper entspannte sich. Kraftlos hing sie in ihren Fesseln. Schweiß stand auf ihrer Stirn, ja beinahe überall auf ihrem Körper. Langsam, sehr langsam, kühlte sich die Glut ab, die von ihrem Hinterteil ausging. Der Schmerz blieb, aber er reduzierte sich auf ein halbwegs erträgliches Maß. Sie öffnete die Augen, die sie nach den ersten Schlägen geschlossen hatte, und sah unter sich, einen halben Meter entfernt, den steinernen Boden der Folterkammer. Ihr Speichel hatte darauf eine Pfütze gebildet.
In dem Maße, wie der Schmerz in ihrem Po nachließ, meldete sich jener in ihren Brüsten wieder.
Dreißig Minuten habe ich befohlen – wie viele davon sind bereits vergangen?
Sie hatte keine Ahnung. Sie wusste nur eines: Sosehr sie sich nach dem Augenblick sehnte, in dem die Klammern abgenommen würden, sosehr fürchtete sie sich auch vor dem damit verbundenen Schmerz.
Doch offensichtlich war es noch nicht so weit. Die schwarze Sklavin wischte ihr mit einem feuchten Lappen das Gesicht ab. Vicky hätte alles gegeben für einen Schluck Wasser, der ihre trockene, aufgequollene Kehle befeuchtete, doch wie sie es befohlen hatte, wurde ihr der Knebel noch nicht abgenommen.
Ihr Aufenthalt in dieser Kammer harrte noch seines Höhepunktes ...
Einige Minuten lang geschah gar nichts, und Vicky war dankbar dafür. Die Schmerzen waren allgegenwärtig, doch langsam mischte sich noch eine andere Art von Empfindung hinein.
Lust!
Die Situation, in der sie sich befand – nackt auf den Bock gespreizt, ein hilfloses Objekt beliebiger Begierden –, und das Wissen um das, was nun kommen würde, erzeugten eine nie gekannte Geilheit in ihr. Ihr Atem kam tief und rhythmisch. Sie spürte, wie sie zwischen den Beinen feucht wurde, wie sich ihr Körper bereit machte, die Belohnung allen Leidens zu empfangen.
Eine Hand machte sich plötzlich an ihrem weiblichsten Körperteil zu schaffen, Finger drangen einige Zentimeter in sie ein, prüften das Ausmaß ihrer Nässe. Sie sog die Luft ein, hielt den Atem an. Die schwarze Sklavin stand immer noch einige Schritte entfernt, abwartend, unbeteiligt. Dann schob sich das Beinteil einer schwarzen Uniform in ihr Blickfeld, ohne dass jene Hand, unter der sie sich mittlerweile wand wie eine rollige Katze, sich aus ihr zurückzog.
Ein anderer Mann!, erkannte sie.
Es ist nicht der Wärter, sondern ein anderer Mann, der mich ficken wird! Wahrscheinlich haben sie dafür Spezialisten ...
Sie zitterte nun vor Erregung. Mit einem Mal war ihr bewusstes Denken vollständig ausgeschaltet; ihr ganzes Sein war reduziert auf Empfindungen – die Empfindung des Schmerzes, untrennbar gepaart mit der Empfindung höchster Lust. Sie spürte eine Bewegung hinter sich; etwas Heißes und vor Erwartung Pulsierendes berührte ihre linke Pobacke und löste dort neue Wellen des Schmerzes und der Lust aus. Vicky wimmerte in den Knebel – doch diesmal war es ein glückliches, ein ekstatisches Wimmern. Abermals wand sie sich in ihren Fesseln, hob den Oberkörper leicht an und wurde dafür belohnt mit neuer Pein in ihren Brüsten, neuer Brandung glühender Leidenschaft.
Dann war die Spitze des pochenden Glieds plötzlich zwischen ihren bebenden, feuchten Lippen, fand das Portal zum Allerheiligsten – und stieß dorthin vor. Vicky keuchte auf. Eine Woge der Lust und der Begierde baute sich im Rhythmus der Stöße des Unbekannten, den sie nicht einmal sehen konnte, auf und lief durch Vickys Körper; eine Bebenwelle, geboren tief in ihrem Innersten, mit aller Macht an die Oberfläche ihres Seins drängend und auf diesem Weg alles, was ihr Widerstand leisten wollte, niederbrechend und mit sich reißend. Ihr Körper schien die eben noch unnachgiebigen Ketten zu dehnen wie Gummibänder; er bäumte sich auf, zuckte wie unter elektrischen Schlägen – wie er noch kurz zuvor unter den unbarmherzigen Schlägen des Rohrstocks gezuckt hatte. Vicky schrie, ohne sich dessen gewahr zu werden, denn die Woge ließ keinen Raum für andere Wahrnehmungen, andere Empfindungen ...
[Ende der Leseprobe]