Freitag, 23. März 2012

Und wieder die Nummer 1 ...


Wie bereits 2010 (siehe meinen Blogeintrag »Einmal die Nummer 1 sein« vom Dezember 2010) führt auch im Jahr 2011 ein Roman von mir die Hitliste des Marterpfahl-Verlags mit weitem Abstand an: »Sklavenjagd« hat sich von allen Titeln des Verlags am besten verkauft. Und mein immerhin schon vor zweieinhalb Jahren erschienener Roman »S & M Dreams Inc.« liegt auf Platz 3, hinter »Weidenrute und Schwert« vom Kollegen Gerwalt.


Die Nummer 1 des Marterpfahl-Verlags im Jahr 2011:

Mitten in der Nacht überfährt Dolores auf einer einsamen Bergstrecke im Hinterland der Costa del Sol einen Mann. Damit gerät sie in einen Strudel von Ereignissen, der sie wenn nicht ihr Leben (aber das vielleicht auch), so doch zumindest ihre Freiheit kosten kann – und das auf Lebenszeit! Denn durch diesen unglücklichen Zufall wird sie in ein »Spiel« hineingezogen, das sich einige Leute ausgedacht haben, deren Reichtum für den Normalbürger schlichtweg unvorstellbar ist – ebenso wie ihre Menschenverachtung. Das Spiel heißt »Sklavenjagd«, und die Frauen, die das freiwillige »Wild« spielen, werden mit Geld angelockt – mit viel Geld: Bis zu 10 Millionen Euro, steuerfrei und bar auf die Hand, erhält eine Frau, die drei Jagden übersteht, ohne »gefangen« zu werden. Dafür ist aber auch das Risiko beträchtlich: Nach der ersten verlorenen Jagd gehört sie ihrem Bezwinger für 24 Stunden, in denen er mit ihr machen kann, was ihm beliebt. Nach der zweiten verlorenen Jagd erhöht sich dieser Zeitraum auf eine Woche, und bei der dritten Jagd geht es um alles oder nichts: 10 Millionen Euro – oder Sklavin auf Lebenszeit!

»Absolute Leseempfehlung. Klasse Plot, spannend erzählte Story, heiße SM-Szenen! [...] Eine Geschichte mit Wow-Effekt.« (Aus der Rezension der Zeitschrift »Schlagzeilen«, Ausgabe 113.)

 »Sklavenjagd«, SM-Thriller, Marterpfahl-Verlag, ISBN 978-3-936708-75-2, EUR 19,-

Blogeinträge dazu:
- Leseprobe »Sklavenjagd«
- Die Schauplätze von »Sklavenjagd« (1)
- Die Schauplätze von »Sklavenjagd« (2)


Der aktuelle Roman von Tomás de Torres:

 
»Das Geheimnis der Sklavin«, SM-Thriller, Marterpfahl-Verlag, ISBN 978-3-936708-82-0, EUR 17,50

Mittwoch, 28. September 2011

Leseprobe »Das Geheimnis der Sklavin«


Hier die versprochene Leseprobe aus meinem neuen SM-Thriller »Das Geheimnis der Sklavin«. Es handelt sich um einen Auszug aus dem 9..Kapitel des Romans, entnommen dem Originalmanuskript. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Marterpfahl-Verlags. Der Roman ist bereits erschienen.


Anm.: Fotos zum Handlungsort finden sich in den Blogeinträgen:
  1. Von den Gefahren der Recherche 
  2. Das Geheimnis der Sklavin" erscheint am 1. 10. 2011

Marterpfahl-Verlag, ISBN 978-3-936708-82-0, EUR 17,50


Eine Berührung an der Stirn ließ sie sich ihres Körpers wieder bewusst werden. Jemand strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, so sanft, dass es sich anfühlte wie der Luftzug, den ein vorüberfliegender Sperling verursachte.

Sie öffnete die Augen.

Ihr Herr sah auf sie herab, und er war nackt. Zum ersten Mal erblickte sie ihn in völliger Nacktheit, seine nur in der Mitte etwas behaarte Brust, seine sehnigen Arme. Er war nicht besonders muskulös, doch das störte sie nicht; muskelbepackte Kraftprotze fand sie sowieso hässlich. Etwas Blinkendes hing an einem dünnen Kettchen von seinem Hals: Ein zwei oder drei Zentimeter langes silbernes Kreuz, mit winzigen Steinen besetzt. Das verblüffte sie, hatte sie bislang doch nie die geringste Spur von Religiosität an ihm bemerkt. Vielleicht ein Erbstück ... Außerdem war es kein gewöhnliches Kreuz: Beide Balken waren leicht gebogen, nach rechts beziehungsweise nach unten.

Sie streckte den Arm aus – und ließ ihn sofort wieder sinken, denn erst jetzt bemerkte sie, dass sie nicht gefesselt war; sie trug nicht einmal das Halseisen. Und sie befand sich auch nicht auf ihrer plastikbespannten Matratze, sondern in einem großen Bett, neben dem eine Nachttischlampe brannte, deren gedämpftes Licht jedoch nicht bis zur Decke oder den Wänden reichte. Sie musste sich im Schlafzimmer ihres Herrn befinden, in das sie noch niemals hatte einen Blick hineinwerfen dürfen, geschweige denn es betreten. Die Leichtziffern eines Funkweckers zogen ihren Blick magisch an: 00:39. Daneben glänzte poliertes Holz; ein Gegenstand, der einer in der Höhe gestreckten Pyramide ähnelte. Irgendein Zierobjekt, vermutete Sandra.

Ihr Herr schlüpfte ins Bett, und bereitwillig rückte sie zur Seite. Seine linke Hand legte sich auf ihre rechte Brust und begann, mit der Warze zu spielen. Obwohl immer noch jede Berührung Schmerzen auslöste – sie musste sich einen üblen Sonnenbrand geholt haben –, genoss Sandra es, und die verhaltenen Laute, die sie ausstieß, waren viel mehr der Lust als dem Schmerz geschuldet. Dann kam seine zweite Hand und widmete sich der anderen Brust. Sandra presste die Schenkel zusammen und atmete tiefer. Martin lag nun neben ihr, auf der Seite; sie spürte seinen Atem an ihrem linken Ohr. Kein Aftershave diesmal, aber ein leiser Geruch nach Früchten, wie der Widerhall eines weiblichen Parfüms. War er bei einer Frau gewesen? Egal, dachte Sandra, wichtig ist nur, dass er jetzt hier ist, bei mir ...

Seine Linke löste sich von ihrer Brust, bewegte sich abwärts und strich über ihren Unterbauch. Sie schauderte und öffnete erwartungsvoll die Beine. Seine Finger spielten eine Weile mit den Stoppeln ihres blonden Schamhaars, dann glitten sie weiter. Sandra keuchte, als sie ihre Klitoris fanden, und krümmte sich zusammen. Sie wimmerte. Vergessen war aller Schmerz, besiegt durch die erwachende Lust, die rasch zur Begierde anschwoll. Ohne mit der Linken innezuhalten, streckte Martin seinen rechten Arm auf dem Bett aus, und Sandra legte ihre Kopf darauf, vergrub ihn unter seinem Kinn und schloss die Augen. Während er ihr unzusammenhängende Laute entlockte, nahm sie seinen Geruch in sich auf wie ein Hund den Geruch seines Herrn. Ich werde seine Sklavin sein, seine Hündin, dachte sie, für immer und ewig! Nichts und niemand kann uns jemals trennen, nicht einmal Elena!

Als sich seine Linke zurückzog und Martin sich auf den Rücken legte, betrachtete Sandra das als Aufforderung. Sie beugte sich über seine Lenden und begann, seine Hoden zu lecken. Sein Glied, ohnehin schon halb erigiert, reagierte sofort, und als es seine volle Größe erreicht hatte, nahm sie die Eichel in den Mund, schloss die Lippen darum und bewegte den Kopf auf und ab, während sie mit den Fingern die Hoden sanft massierte.

„Tiefer ...“

Sie gehorchte, bis sie sein schwarzes Schamhaar an der Nase kitzelte. Dann wieder zurück, bis beinahe zur Eichel. Martin stöhnte und Sandra intensivierte ihre Bemühungen, obwohl sie allmählich ein Schwindelgefühl erfasste. Ihr Körper würde Tage brauchen, um sich zu erholen. Doch sie war entschlossen, ihren Herrn nicht zu enttäuschen.

Als sie dachte, sein Orgasmus könnte nicht mehr fern sein, berührte er ihre Schulter. Sofort entließ sie ihn aus ihrem Mund.

„Glaubst du, du kannst auf mir reiten?“

„Ich werde es versuchen, Herr.“

Sie wollte sich über ihn knien, doch eine Handbewegung hieß sie warten. Er drehte sich zur Seite, dem Nachttisch zu, und entfernte die Frontabdeckung der in die Länge gestreckten Pyramide, die dort stand. Zum Vorschein kam ein dünner Metallstab, der an einer Stelle eine Verdickung – ein Gewicht – aufwies, und dahinter eine vertikale Skala.

Ein ... ein Metronom! Sandra wusste, was das Gerät darstellte, doch nach seinem Namen hatte sie erst suchen müssen.

Martin schob das Gewicht nach oben und drückte dann einen Knopf an der rechten Seite. Das umgekehrte Pendel setzte sich in Bewegung und erzeugte ein langsames Tack, Tack, Tack ...

„Adagio“, sagte er und legte sich wieder auf den Rücken.

Sandra richtete sich auf, wobei sie sich mit den Händen abstützte, und platzierte ihre Knie zu beiden Seiten seiner Lenden. Das Schwindelgefühl verstärkte sich, und sie presste ihre Hände auf seine Brust. Das gebogene Kreuz blitzte sie an. Langsam senkte sie sich. Sie musste eine Hand zu Hilfe nehmen, um sein Glied einzuführen. Ihr Körper nahm es bereitwillig auf und Sandra stöhnte, als sie es in seiner ganze Länge in sich fühlte.

Dann begann sie, sich im Takt des Metronoms zu bewegen.

Adagio ...

Ein langsamer Rhythmus, wie ihn Sandra liebte, wenn sie die Wahl hatte – jedenfalls zu Beginn. Doch die Anstrengung – möglicherweise auch die Lust – war zu viel für sie, und bereits nach wenigen Stößen musste sie innehalten. Tränen der Verzweiflung, der Hilflosigkeit verschleierten den Blick auf ihren Herrn.

„Kein Problem“, tröstete er sie. „Leg dich hin ...“

Nur allzu gern folgte sie seinem Befehl. Ihr Kopf sank in das Kissen, sie legte sie Arme an die Seiten und spreizte die Beine. Ihr Herr rollte sich über sie, legte sich jedoch nicht auf sie, sondern stützte den Oberkörper mit den Armen ab. Im nächsten Augenblick befand er sich wieder in ihr.

Adagio ...

Das Kreuz schwang zwischen ihren Brüsten im Takt des Metronoms, in Martins Takt. Manchmal berührte es sie, wenn sich die Brust ihres Herrn herabsenkte. Es war wärmer als Sandras Körper. Wenn es eine ihrer Brustwarzen streifte, schien es sogar zu glühen und diese Glut in ihren eigenen Körper zu übertragen.

Sandra ergriff keinerlei eigene Initiative, sondern ließ sich nehmen, ließ sich gehen, ließ sich ficken und genoss es wie selten zuvor. Irgendwann schloss sie die Augen oder ihre Sicht verdunkelte sich; ihr Blick, ihr Empfinden richtete sich nach innen, in das Zentrum ihres Körpers, ihrer Begierde. Brennende Speere der Lust waren es, die ihr Herr bei jedem Stoß aussandte (Adagio), die ihr Innerstes versengten, die ihren Körper erbeben ließen und sogar ihr Gehirn ausfüllten und alle äußeren Wahrnehmungen abblockten. Sie öffnete den Mund; sie wusste, dass sie schrie, doch sie hörte es nicht – hörte nichts als das Pochen ihres Herzens, das Rauschen ihres Blutes, das tiefe Keuchen ihrer Lungen. Aber sie spürte, sie empfand jede einzelne der Myriaden Nervenfasern in ihrem Körper; die elektrischen Impulse, die sie aussandten, flossen zusammen und wurden eins, so wie Martins und Sandras Körper eins geworden waren. Wie zwei gewitterschwere Wolken, die der Sturmwind ineinander trieb und deren Blitze die Erde verbrannten, verbrannte der gemeinsame Orgasmus das letzte Fünkchen Energie, das Sandras verblieben war, und hinterließ nichts als ein Gefühl unendlichen Glücks. Wäre sie nicht sterilisiert gewesen, das wusste Sandra, hätte sie in diesen Momenten empfangen, hätte das Kind ihres Herrn tragen und schließlich gebären dürfen, als äußerstes Zeichen ihrer Ergebenheit, als Tribut an ihren Gott.

Sie glitt in das Niemandsland zwischen Wachen und Schlaf, in eine halluzinative Vision über immerwährende Hingabe und grenzenlose Ergebenheit, über das Glück des Dienens und die Freiheit des Geistes, die es mit sich brachte.

Irgendwann wurde sie sich wieder des warmen Körpers neben ihr bewusst, der sich hebenden und senkenden Brust, und mit langsamen und bedachten Bewegungen, um ihren Herrn nur ja nicht zu wecken, stieg sie aus dem Bett und rollte sich auf dem großen, fellweichen Vorleger zusammen, einen Arm als Kissenersatz unter den Kopf gelegt.

Es ziemte sich nicht für eine Sklavin, im Bett ihres Herrn zu schlafen.

[Ende der Leseprobe.]

Donnerstag, 22. September 2011

»Das Geheimnis der Sklavin« erscheint am 1. 10. 2011


Als offizieller Erscheinungstermin meines neuesten SM-Thrillers »Das Geheimnis der Sklavin« wurde vom Marterpfahl-Verlag der 1. 10. festgelegt. Erfahrungsgemäß kann es dann noch etwas dauern, bis der Roman bei allen Buchhandlungen und Internet-Versendern lieferbar ist. Eine Leseprobe (das komplette 1. Kapitel) wird in einigen Tagen hier verfügbar sein.

Marterpfahl-Verlag, ISBN 978-3-936708-82-0, EUR 17,50
 
Es ist sehr schwer, etwas über die Grundidee von »Das Geheimnis der Sklavin« zu sagen, ohne damit allzu viel zu verraten. Lassen wir also erst einmal den Klappentext sprechen:

Bloß nicht zurückblicken!, hämmerte es in Sandras Kopf. Nur nach vorn denken! Nach vorn denken! Was war, ist vergangen, vergeben, vergessen, hat nie existiert! Nur nach vorn denken ...

»Entschuldigung – wir steigen aus!«

Sandra schreckte auf. Sie hatte nicht bemerkt, dass das Flugzeug in Málaga gelandet war. Hastig erhob sie sich von ihrem Gangplatz und lächelte ihrem Sitznachbarn entschuldigend zu. Eine Glutwelle rollte über sie hinweg, als sie den »Finger« der Fluggastbrücke betrat. Sofort fühlte sich ihre Kehle staubtrocken an und das Atmen fiel ihr schwer. Im Vorbeigehen sah sie aus den Fenstern, konnte aber nur andere Flugzeuge erkennen, andere Fluggastbrücken, einen Teil des stahl- und glasblitzenden Terminals, das nur aus rechten Winkeln zu bestehen schien – und flirrende Luft über dem Asphalt. Im Hintergrund, überraschend nah, dunkel aufragende Berghänge. Keinen Zipfel von Málaga und nicht einmal das geringste Eckchen des Mittelmeers. Im Flugzeug hatte sie beinahe gefroren mit ihrem dünnen, hautengen T-Shirt, doch ihr neuer Herr hatte ihr in seiner letzten E-Mail strikt verboten, etwas darüber anzuziehen – oder darunter.

Gemeinsam mit den anderen Passgieren ihres Fluges eilte sie zu dem Lindwurm des Gepäckbands und wartete ungeduldig darauf, dass es ihr Köfferchen ausspie. Als sie es endlich in der Hand hielt, wunderte sie sich wieder einmal darüber, wie leicht es war – für einen One-Way-Trip. Aber ihr neuer Herr hatte detaillierte Vorschriften erlassen, was sie mitbringen sollte – und auch, was sie bei ihm keinesfalls benötigen würde. Kleidung zum Beispiel ...


Sandra sucht den Meister ihrer Träume, den »perfekten« Meister, und hofft, ihn in Martin zu finden, der in einer Villa in atemberaubender Lage in Südspanien lebt – auf dem Rücken eines Bergsporns, mit steil abfallenden Felswänden an drei Seiten. Sandra entscheidet sich aus freiem Willen, bei Martin zu bleiben, ihm zu dienen und seine Strafen freudig zu akzeptieren. Bald jedoch bemerkt sie, dass nicht alles so ist, wie sie es sich erträumt hat, dass zwischen Anschein und Wirklichkeit eine Lücke klafft, tief wie der Abgrund vor der Villa – und ebenso bedrohlich. Zug um Zug holt ihre eigene Vergangenheit Sandra ein, und schließlich muss sie erkennen: Sie ist nicht die Einzige mit einem tödlichen Geheimnis ...

Nichts ist so, wie es scheint – nicht in Bezug auf Martin und seine Villa, und nicht einmal in Bezug auf Sandra, die Hauptperson des Romans. Sie hat ihre Vergangenheit verdrängt und bereits der Versuch, sich zu erinnern, verursacht ihr Kopfschmerzen. Doch je länger sie Martins 24/7-Sklavin ist, desto machtvoller drängt die unterdrückte Erinnerung an die Oberfläche, und schließlich kommt es zur Katastrophe. Die »Lunte am Pulverfass« ist Elena, Martins Haushälterin, die Sandra hasst und sie erniedrigt, wo immer es geht.

Der Roman spielt in der »Axarquía«, einer bergigen Gegend östlich von Málaga mit einer bewegten Geschichte. Abschließend fotografische Impressionen aus der näheren und ferneren Umgebung. (Weitere Aufnahmen finden sich in dem Blogeintrag http://tomas-de-torres.blogspot.com/2011/07/von-den-gefahren-der-recherche.html.)







Appetit auf spanischen Spargel?

Samstag, 23. Juli 2011

Von den Gefahren der Recherche


Viele Leute denken, es gebe nichts Beschaulicheres und vielleicht auch Langweiligeres als das Leben eines Autors. »Sitzt den ganzen Tag im Lehnstuhl, vielleicht bei einem Pfeifchen, und hat einmal im Jahr eine Idee, die er zu einem Roman aufbläst und damit einen Haufen Geld scheffelt.«

Davon einmal abgesehen, dass ich Nichtraucher bin (wenn auch kein militanter, wie es in Deutschland Mode zu sein scheint), und überdies davon abgesehen, dass »eine Idee« allenfalls der Beginn monatelanger harter Arbeit ist (ganz zu schweigen von dem »gescheffelten Geld«, um das ich jede Putzfrau beneide), ist das Planen eines Romans und seine Niederschrift nur ein Teil der Arbeit eines Autors. Ein anderer Teil heißt: Recherche!

Recherche hat viele Gesichter: Einiges kann man sicherlich beschaulich im Lehnstuhl recherchieren, in guten Büchern (meine Bibliothek umfasst ca. 3 000 Bände) und bei dem ein oder anderen Sherry. (Zu viele Sherrys können sich allerdings negativ auswirken.) Dann gibt es natürlich das Internet, unschätzbar und mittlerweile auch unverzichtbar, doch voller Fußangeln und Falltüren. Denn wenn man alles für bare Münze nimmt, was man dort liest, ist man, wie man in Süddeutschland so schön sagt, »verratzt«. Das Telefon sollte man auch nicht unterschätzen; der Arzt-Freund ist nur ein paar Tastendrücke entfernt: »Kannst du mir kurz mal sagen, wie lange ein erwachsener Mann in einem luftdicht abgeschlossenen Sarg überleben kann?« Oder: »Wie lange ist ein in Salzwasser liegender abgeschnittener Kopf noch identifizierbar?« Die üblichen Fragen eben, die einen Autor täglich plagen und die, dem Falschen gestellt, einen in hochnotpeinliche Situationen bringen können.

Aber die richtige Recherche, die aufwändigste und teuerste, ist es, sich ins Auto zu setzen (oder in den Zug oder gar ins Flugzeug – das rechnet sich allerdings nur bei absehbaren Megasellern) und kurz mal dorthin zu düsen, wo der Roman spielt, um alles mit eigenen Augen (und oft genug auch mit eigener Nase) zu erleben und mit eigenen Beinen zu erwandern. Denn keine noch so gute Landkarte, kein noch so guter Reiseführer mit Stadtplan, nicht einmal »Google Earth« ersetzt die eigene Anschauung und »Tuchfühlung«.

Im vergangenen April habe ich selbiges getan (mich ins Auto gesetzt) und bin in die »Axarquía« gefahren, eine sehr bergige Gegend östlich von Málaga mit einer bewegten Geschichte (Maurenkriege). Der Anlass dazu war die Fertigstellung meines Romans »Das Geheimnis der Sklavin«. (Erscheint demnächst bei Marterpfahl, bitte diesen Blog verfolgen – danke!) Ich kenne die Axarquía eigentlich ganz gut, aber ich fand, es sei besser, noch mal einige Details zu überprüfen. Damit Sie sich selbst ein Bild von der Gegend machen können, hier zwei Fotos:




Der Termin hat auch tatsächlich noch zu einigen Korrekturen am Manuskript geführt – Recherche lohnt sich immer! Doch es hat nicht viel gefehlt und ich hätte diese Korrekturen nicht mehr vornehmen können, und das kam so:

Da ich bereits in der Nähe war, beschloss ich, das Dörfchen Sayalonga zu besuchen, das im Roman lediglich erwähnt wird. (Der Schauplatz von »Das Geheimnis der Sklavin« ist eine Villa in atemberaubender Lage zwischen der Küste und Sayalonga.) Sayalonga ist eines jener weißen Bergdörfer, die aus der Entfernung so wunderhübsch aussehen, die jedoch aus einem Labyrinth von Gassen bestehen, das dem Minotaurus graue Haare verschafft hätte. Nach einem Parkplatz braucht man in so einem Ort gar nicht erst zu suchen, weshalb ich den Wagen etwas oberhalb stehen ließ und mich, unerschrocken wie ich manchmal zu sein pflege, zu Fuß in das Labyrinth wagte.

Stellen Sie sich eine Straße vor, bestehend aus rissigem Beton, vielleicht dreieinhalb Meter breit und in einem Winkel von mindestens 30 Grad abwärts führend. Die linke Seite ist zugeparkt; die Autos stehen Stoßstange an Stoßstange. Wie da jemand heraus- oder hineinkommt, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Ich gehe also nichts ahnend diese Straße hinab, passiere weiß gekalkte Häuser mit winzigen Fenstern, Tante-Emma-Läden und eine von zahllosen Baustellen (die Axarquía ist – immer noch oder wieder – »in Mode«) sowie einen weißen PKW, der auf der rechten Seite in waghalsigem Winkel geparkt ist, mit einem Rad auf einem großen Stein, der wohl verhindern sollte, dass auch dieser Platz zugeparkt wird – vergeblich. Der Finesse verzweifelter spanischer Parkplatzsucher ist kaum eine Grenze gesetzt.

Das heißt – dem Fahrer dieses Wagens, der nirgends zu sehen war, würden Sekunden später bereits seine Grenzen aufgezeigt werden. Ich hatte noch keine weiteren fünf Meter zurückgelegt, als ich hinter mir einen Schlag hörte – es klang wie das Zuschlagen einer Autotür. Dann ein rollendes Geräusch – sparte da jemand Benzin? Da ich ein vorsichtiger Mensch bin und die Straße, wie erwähnt, wegen der links parkenden Autos sehr schmal war, wandte ich den Kopf. Vom Fahrer war immer noch nichts zu sehen, aber der Wagen fuhr – das Geräusch war nämlich nicht durch die Tür, sondern durch die Handbremse entstanden, die dem mörderischen Zug nachgegeben und sich gelöst hatte. Hätten die Räder einigermaßen gerade gestanden, wäre der Wagen auf mich zugerollt und ich hätte in diesem Augenblick, ehrlich gesagt, nicht gewusst, wohin ich hätte ausweichen sollen. So ungefähr wie Indiana Jones, der von der rollenden Kugel verfolgt wird, aber wohl nicht mit so glimpflichem Ausgang. Zum Glück waren die Räder nach links eingeschlagen, so dass der Wagen in diese Richtung fuhr. Bereits nach den paar Metern Spielraum, die ihm blieben, hatte er dank des Gefälles eine so hohe Geschwindigkeit erreicht, dass er mit lautem Krachen in die Beifahrertür eines der geparkten Wagen donnerte. Jede Wette, der Eigentümer würde in Zukunft mit der Wahl seiner Parkplätze vorsichtiger sein ...

Und was mache ich? Richtig: Ich gehe, mit eingezogenem Kopf den plötzlich hochinteressanten Boden bewundernd, weiter und biege in die nächste Seitengasse ein. Nicht dass jemand auf die Idee kommt, ich hätte damit was zu tun ... Doch die Strafe folgt dieser hasenherzigen Tat auf dem Fuß: Ich verirre mich völlig in dem Gassengewirr und finde erst eine Stunde später erschöpft und verschwitzt (südspanischer Nachmittag!) zu meinem Auto zurück. Die nächste Recherche werde ich wieder im Lehnstuhl machen.

Damit die ganze Mühe nicht vergebens war, hier noch zwei Fotos von Sayalonga:




Bis zum nächsten Mal – dann voraussichtlich mit einer Leseprobe aus »Das Geheimnis der Sklavin«!

Sonntag, 1. Mai 2011

Ein »SM-Thriller« – was ist das?


Zunächst einmal per definitionem ein Thriller, der SM-Szenen enthält. Nicht »aufgepfropfte« SM-Szenen wohlgemerkt, z. B. um ein anderweitig unverkäufliches Manuskript für eine bestimmte Lesergruppe interessant zu machen. Ein SM-Thriller ist auch kein Roman, der ausschließlich aus SM- oder anderweitigen Erotik-Szenen besteht, denn dann wäre er ja kein Thriller mehr. Nein, die SM-Szenen sollten den gleichen Zweck erfüllen wie jede x-beliebige Szene jedes x-beliebigen (guten) Romans, nämlich:

a) Sie ergeben sich aus den Charakteren der handelnden Personen (»character is plot« sagt man im Englischen – der Charakter ist die Handlung),

b) sie vertiefen die Charaktere der handelnden Personen,

c) sie treiben die Handlung voran und

d) sie beinhalten einen Konflikt (und noch ein paar andere Dinge, die zu erörtern hier zu weit ginge).

So einfach – oder so schwierig – ist das.

Eine Verletzung der ersten Regel resultiert grundsätzlich darin, dass Leute dumme (d. h. unverständliche) Dinge tun. Romane, in denen das geschieht, gibt es leider zu viele, und Filme noch viel mehr.

Das bringt uns zu der

Frage: Wie viele SM-Szenen enthält ein »SM-Thriller«?

Antwort: Im Idealfall exakt so viele, wie die Handlung erfordert. Das ergibt sich schon aus der absoluten Priorität der zu erzählenden Geschichte: Alles, was nicht zu dieser Geschichte gehört, hat im Roman nichts zu suchen. (Leider gibt es allzu viele Autoren, die dieses Postulat vergessen oder, schlimmer noch, nie davon gehört haben.)

Ich kann es mir erlauben, diesem Postulat treu zu bleiben, da ich das große Glück habe, mit »Marterpfahl« über einen Verlag zu verfügen, der mir absolut freie Hand lässt sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf den Umfang meiner Romane. (Wer sich einigermaßen in der Branche auskennt weiß, dass das alles andere als selbstverständlich ist.) Das bedeutet, der Leser hält den »nackten« Tomás de Torres in der Hand; da wurde nichts von fremder Hand gekürzt oder gar hinzugefügt. Letztlich führt dies dazu, dass es in einigen meiner Romane mehr bzw. weniger SM-Szenen gibt als in anderen. So enthält »Sklavenjagd« z. B. deutlich weniger »direkte« SM-Szenen als »S & M Dreams Inc.« oder auch mein nächster Roman, über den ich an dieser Stelle zu gegebener Zeit mehr sagen werde.

Das Urteil darüber, wie viele SM-Szenen zur Handlung gehören, liegt dabei natürlich allein in der Hand des Autors, also meiner – welche andere Instanz könnte es geben? Und dass ein Autor in so einer diffizilen Frage nicht immer den Geschmack aller Leser treffen kann, ist eigentlich selbstverständlich. Solange die Auflage aber von Roman zu Roman weiter steigt, denke ich, dass ich zumindest auf dem richtigen Weg bin, und das (fast einhellig) äußerst positive Echo auf »Sklavenjagd« scheint mir recht zu geben. Ich werde mich auch weiterhin bemühen, mir selbst treu zu bleiben – und damit letztlich (hoffentlich) die Erwartungen des Gros meiner Leserschaft zu erfüllen.

So viel für heute. Noch einen schönen Maifeiertag wünsche ich!

Donnerstag, 7. April 2011

Leseprobe »S & M Dreams Inc.«

Hier nun wie versprochen eine Leseprobe aus meinem im Herbst 2009 erschienen Roman »S & M Dreams Inc.«, der nach wie vor lieferbar ist. Es handelt sich um den größten Teil des 11. Kapitels.

Die Situation ist folgende: Victoria (»Vicky«) Roberts hat bei der Firma »S & M Dreams Inc.« einen Urlaub gebucht, in dem sie ihre geheimsten Unterwerfungsphantasien ausleben kann. Alles geschieht genau so, wie sie es in ihrem »Urlaubsantrag« festgelegt hat. Bald jedoch muss sie erkennen, dass zwischen Theorie und Praxis ein himmelweiter Unterschied besteht ...

(Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Marterpfahl-Verlags.)


11.

Victoria Roberts überschritt eine Schwelle, und plötzlich schmeckte sie Rauch und spürte die Wärme eines entfernten Feuers auf ihrer nackten Haut. Sie hielt an und die Maske fiel. Sie stand in der Tür eines Raumes, der etwa acht Meter im Geviert maß und außergewöhnlich hoch war – mindestens fünf, vielleicht sogar sechs Meter, schätzte sie. Boden und Wände bestanden aus den gleichen roh behauenen Quadern wie ihre Zelle, auch wenn der Fußboden hier nicht mit Streu bedeckt war. Die einzige, aber ausreichende Lichtquelle bildete etwa ein Dutzend Fackeln, die an den Wänden blakten; die Decke war teilweise rußgeschwärzt.

Der Raum ähnelte bis ins Detail einer mittelalterlichen Folterkammer. Lediglich der Stromgenerator in einer der hinteren Ecken passte nicht ganz in dieses Bild.

Wahrscheinlich für Elektroschocks, überlegte Vicky.

An der vom Eingang aus gesehen linken Wand waren Käfige aus dicken Eisenstäben aufgereiht, manchmal mehrere übereinander. Sie besaßen verschiedene Formen und Größen; die meisten waren so winzig, dass Vicky sich nicht vorstellen konnte, dass ein Mensch darin Platz hätte, geschweige denn es längere Zeit aushielte. Doch zwei dieser Käfige, in denen man nicht einmal einen Hund halten würde, waren von nackten Frauen besetzt. Eine von ihnen hatte eine rote Ohrmarke. Beide blickten Vicky schweigend an.

Die rechte Wand wurde von einer Vielzahl verschiedener Fesselungsgeräte eingenommen – vom klassischen Andreaskreuz, das Vicky aus Bildern und Filmen kannte, über Böcke und kettenbehängte Säulen bis hin zu mittelalterlichen Schandpfählen und Prangern.

Die Mitte des Raums nahm eine beängstigend echt aussehende Streckbank ein, ein wahres Monster aus dunklem, beinahe schwarzem Holz, mit einem großen Speichenrad und einer Unzahl von Ketten und Lederriemen versehen. Dahinter, von der Streckbank halb verdeckt, konnte Vicky den im Licht der Fackeln glänzenden Körper einer „Eisernen Jungfrau“ erkennen.

Keine Frage, die Ausstattung der „Geschäftsräume“ von S & M Dreams Inc. war so reichhaltig und vielfältig wie die Phantasie der Klientel dieser Firma.

Jemand berührte sie am Hals. Vicky sah sich um – eine dieser Slavinnen mit blauer Marke nahm ihr das Hundehalsband ab; eine, die sie bislang noch nicht gesehen hatte. Ihre Nummer lautete 1049, und es handelte sich um eine Afroamerikanerin. Ihr Alter war schwer zu schätzen, konnte aber keinesfalls mehr als zwanzig Jahre betragen. Sie hatte eine kurze Lockenfrisur und Brüste, die zu perfekt waren, um vollständig natürlichen Ursprungs zu sein. Als die Sklavin einen Schritt zur Seite machte, bemerkte Vicky, dass diese sich in einem Punkt von allen anderen Sklavinnen unterschied, die sie bislang zu Gesicht bekommen hatte: Ihr rechtes Fußgelenk wurde von einer eisernen Schelle umschlossen, an der eine lange Kette befestigt war. Vickys Augen folgten der Kette bis zu einem der Füße der Streckbank, wo sie endete. Diese Sklavin, schlussfolgerte die Anwältin, gehörte also zum „Inventar“ der Folterkammer. Die Fußkette war lang genug, dass sie jeden Winkel des Raums erreichen konnte; sie war jedoch nicht in der Lage, ihren „Arbeitsplatz“ zu verlassen. Möglicherweise, überlegte Vicky, verbrachte sie ihre Nächte in einem der Käfige.

Einige davon würde ich auch gern mal ausprobieren ...

Doch davon stand nichts in ihrem „Urlaubsantrag“.

Aber, schoss es Vicky durch den Kopf, das muss ja nicht der letzte derartige Urlaub gewesen sein! Mal sehen, vielleicht nächstes Jahr ...

Der Wärter legte ihr eine Hand auf den bloßen Rücken und dirigierte sie so in den hinteren Bereich der Folterkammer. Kettengeklirr sagte Vicky, dass die schwarze Sklavin ihnen folgte.

Vor einem hüfthohen hölzernen Bock, dessen schmale Auflagefläche mit fleckigem Leder gepolstert war, hielten sie an. Über die Natur dieser Flecken dachte Vicky lieber nicht nach. Auf einen Wink des Schwarzuniformierten ließ sie sich bäuchlings auf den Bock nieder, so dass ihre Arme und Beine nach unten baumelten. Die schwarze Sklavin legte ihr lederne Fesseln um Hand- und Fußgelenke und zog dann die daran befestigten Ketten so straff, dass Vickys Oberkörper fest auf die Unterlage gepresst wurde. Ihr Kopf hing ins Leere, während ihr nackter Unterleib nach hinten hinausragte. Jemand, der hinter ihr stand – zum Beispiel der Wärter –, erhielt damit tiefe Einblicke – und volle Verfügungsgewalt.

Vickys bloße Brüste hingen beiderseits der Auflagefläche nach unten, und ihnen galt die nächste Aktion der Sklavin. Sie ging zu einer wenige Meter entfernt stehenden Truhe, die aussah wie eine uralte Seemannskiste, und öffnete sie. Vicky konnte von ihrer Position aus nicht in die Truhe hineinsehen, aber nur Sekunden später kam die Sklavin zurück. In der Hand hielt sie ein Paar metallener Klammern, die durch eine kurze Kette miteinander verbunden waren.

Der Augenblick der Wahrheit!, fuhr es Vicky durch den Kopf.

Sie hatte bereits einige Male mit Brustklammern „gearbeitet“. Sie besaß zwei solche Paare: Eines mit kleinen metallenen Zähnen, deren Druck aber nicht sonderlich groß war, so dass dieses Paar weniger schmerzte als das andere, das als „Krokodilklemmen“ bezeichnet wurde – und nicht ohne Grund: Deren Auflageflächen waren zwar mit Gummi ausgelegt, doch der Druck, den diese Klammern auf ihre empfindlichen Brustwarzen ausübten, war erheblich größer als bei den kleineren Metallklammern – und somit erheblich schmerzhafter. Länger als einige Minuten hatte Vicky es niemals ausgehalten.

Die Sklavin ging neben ihr in die Hocke, und für einen Augenblick hatte Vicky einen guten Blick auf die Klammern in ihren Händen. Sie waren fast identisch mit ihren eigenen Krokodilklemmen, aber dieses Mal, das wusste sie, würden sie nicht bereits nach einigen Minuten abgenommen werden. Denn als sie das Formular für S & M Dreams ausgefüllt hatte, hatte sie befohlen: „Eine halbe Stunde“, wohl wissend, dass sie es niemals so lange aushielte, wenn sie ihre Hände frei hätte – dann würde sie die Klammern nämlich lange vor Ablauf dieser Zeit abnehmen.

Die erste Klammer schnappte um ihre rechte Brustwarze, und Vicky schrie auf, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, das nicht zu tun. Ungerührt führte die Sklavin die Verbindungskette der beiden Klammern unter dem Bock durch und befestigte auch die zweite Klammer, was Vicky einen erneuten Wehlaut entlockte. Sie bemerkte, wie Tränen des Schmerzes in ihre Augen traten.

Sie genoss jeden Sekundenbruchteil.

Probeweise zerrte sie an ihren Fesseln – sie gaben nicht einmal einen Zentimeter nach. Vicky würde nun wohl oder übel all das erdulden müssen, was sie sich zu Hause, beim Ausfüllen des „Urlaubsantrags“, ausgemalt hatte. Und der Unterschied zwischen Theorie und Praxis würde ihr ein in jeder Beziehung unvergessliches Erlebnis bescheren ...

Die Sklavin klirrte davon, kehrte jedoch umgehend wieder zurück. Diesmal hielt sie einen Knebel in den Händen, an dem einige Riemen befestigt waren. Mit geübten Griffen streifte sie Vicky die Riemen über den in der Luft hängenden Kopf, steckte ihr den Knebel – einen schwarzen Gummiball, einfach aber effektiv – in den Mund und verschloss die Riemen in ihrem Nacken, so dass die Anwältin nicht mehr in der Lage war, den Gummiball auszuspucken. Nach einigen Sekunden bereits sah sie einen Faden von Speichel, den sie nicht mehr zurückhalten konnte, langsam zu Boden sinken.

Sklavin Nr. 1049 erhob sich und trat etwas zur Seite, wo sie abwartend stehen blieb. Vicky hörte, wie sich die Schritte des Schwarzuniformierten von hinten näherten – sie war zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen um zu bemerken, dass er weggegangen war. Der Schmerz, den ihre Brustwarzen ausstrahlten, übertönte alles andere, degradierte es zur Unwichtigkeit.

Aber das würde nicht lange so bleiben, das war ihr klar, denn nun ...

Ein hohes Pfeifen ertönte, und im nächsten Augenblick zog sich eine Spur aus Feuer quer über ihren Po. Sie schrie in den Knebel.

„Eins!“, sagte der Mann mit der ruhigen und sachlichen Stimme eines Buchhalters.

Einer – von zwölf!

Sie hatte sich oftmals selbst mit einem Rohrstock geschlagen, manchmal so stark, dass sie am nächsten Morgen kaum mehr sitzen konnte – ein stiller und heimlicher Schmerz, den sie genoss wie ein Kind eine Süßigkeit, die es stibitzt hatte und heimlich verzehrte.

Doch dieser Schmerz war nicht still und heimlich – er war laut und öffentlich, sie schrie ihn hinaus, in den Knebel, der den Schrei nur unwesentlich dämpfen konnte. Vicky erkannte, dass sie die Schlagkraft eines in dieser Beziehung geübten Mannes völlig unterschätzt hatte.

Ein erneutes Pfeifen erfüllte die Luft.

„Zwei!“

Vickys Körper zuckte auf dem Bock; ihre Hände und Füße zerrten an den Fesseln. Ketten klirrten. Ein scharfer Schmerz durchfuhr ihre Brüste, als es ihr gelang, sich einen oder zwei Zentimeter über die Auflagefläche des Bocks zu erheben. Sie ließ sich wieder fallen, versuchte, ihren Körper halbwegs zu entspannen.

„Drei!“

Nach sechs Schlägen, die in wohldosierten Abständen fielen, fühlte sich ihr Hintern an, als wäre er in flüssiges Magma getaucht. Ihre Schreie waren in ein langgezogenes Wimmern übergegangen, unterbrochen nur durch ein panikhaftes Aufjaulen, wenn ein neuer Streich fiel.

Irgendwann – es schienen Äonen vergangen zu sein – drang eine Zahl wie durch einen dichten Nebel in die bewussten Schichten ihres Denkens.

„Zwölf!“

Der letzte Schlag war gefallen! Vicky sackte auf dem Bock zusammen, ihr Körper entspannte sich. Kraftlos hing sie in ihren Fesseln. Schweiß stand auf ihrer Stirn, ja beinahe überall auf ihrem Körper. Langsam, sehr langsam, kühlte sich die Glut ab, die von ihrem Hinterteil ausging. Der Schmerz blieb, aber er reduzierte sich auf ein halbwegs erträgliches Maß. Sie öffnete die Augen, die sie nach den ersten Schlägen geschlossen hatte, und sah unter sich, einen halben Meter entfernt, den steinernen Boden der Folterkammer. Ihr Speichel hatte darauf eine Pfütze gebildet.

In dem Maße, wie der Schmerz in ihrem Po nachließ, meldete sich jener in ihren Brüsten wieder.

Dreißig Minuten habe ich befohlen – wie viele davon sind bereits vergangen?

Sie hatte keine Ahnung. Sie wusste nur eines: Sosehr sie sich nach dem Augenblick sehnte, in dem die Klammern abgenommen würden, sosehr fürchtete sie sich auch vor dem damit verbundenen Schmerz.

Doch offensichtlich war es noch nicht so weit. Die schwarze Sklavin wischte ihr mit einem feuchten Lappen das Gesicht ab. Vicky hätte alles gegeben für einen Schluck Wasser, der ihre trockene, aufgequollene Kehle befeuchtete, doch wie sie es befohlen hatte, wurde ihr der Knebel noch nicht abgenommen.

Ihr Aufenthalt in dieser Kammer harrte noch seines Höhepunktes ...

Einige Minuten lang geschah gar nichts, und Vicky war dankbar dafür. Die Schmerzen waren allgegenwärtig, doch langsam mischte sich noch eine andere Art von Empfindung hinein.

Lust!

Die Situation, in der sie sich befand – nackt auf den Bock gespreizt, ein hilfloses Objekt beliebiger Begierden –, und das Wissen um das, was nun kommen würde, erzeugten eine nie gekannte Geilheit in ihr. Ihr Atem kam tief und rhythmisch. Sie spürte, wie sie zwischen den Beinen feucht wurde, wie sich ihr Körper bereit machte, die Belohnung allen Leidens zu empfangen.

Eine Hand machte sich plötzlich an ihrem weiblichsten Körperteil zu schaffen, Finger drangen einige Zentimeter in sie ein, prüften das Ausmaß ihrer Nässe. Sie sog die Luft ein, hielt den Atem an. Die schwarze Sklavin stand immer noch einige Schritte entfernt, abwartend, unbeteiligt. Dann schob sich das Beinteil einer schwarzen Uniform in ihr Blickfeld, ohne dass jene Hand, unter der sie sich mittlerweile wand wie eine rollige Katze, sich aus ihr zurückzog.

Ein anderer Mann!, erkannte sie. Es ist nicht der Wärter, sondern ein anderer Mann, der mich ficken wird! Wahrscheinlich haben sie dafür Spezialisten ...

Sie zitterte nun vor Erregung. Mit einem Mal war ihr bewusstes Denken vollständig ausgeschaltet; ihr ganzes Sein war reduziert auf Empfindungen – die Empfindung des Schmerzes, untrennbar gepaart mit der Empfindung höchster Lust. Sie spürte eine Bewegung hinter sich; etwas Heißes und vor Erwartung Pulsierendes berührte ihre linke Pobacke und löste dort neue Wellen des Schmerzes und der Lust aus. Vicky wimmerte in den Knebel – doch diesmal war es ein glückliches, ein ekstatisches Wimmern. Abermals wand sie sich in ihren Fesseln, hob den Oberkörper leicht an und wurde dafür belohnt mit neuer Pein in ihren Brüsten, neuer Brandung glühender Leidenschaft.

Dann war die Spitze des pochenden Glieds plötzlich zwischen ihren bebenden, feuchten Lippen, fand das Portal zum Allerheiligsten – und stieß dorthin vor. Vicky keuchte auf. Eine Woge der Lust und der Begierde baute sich im Rhythmus der Stöße des Unbekannten, den sie nicht einmal sehen konnte, auf und lief durch Vickys Körper; eine Bebenwelle, geboren tief in ihrem Innersten, mit aller Macht an die Oberfläche ihres Seins drängend und auf diesem Weg alles, was ihr Widerstand leisten wollte, niederbrechend und mit sich reißend. Ihr Körper schien die eben noch unnachgiebigen Ketten zu dehnen wie Gummibänder; er bäumte sich auf, zuckte wie unter elektrischen Schlägen – wie er noch kurz zuvor unter den unbarmherzigen Schlägen des Rohrstocks gezuckt hatte. Vicky schrie, ohne sich dessen gewahr zu werden, denn die Woge ließ keinen Raum für andere Wahrnehmungen, andere Empfindungen ...


[Ende der Leseprobe]